Warum Zwickaus Finanzen nicht nur für den Verein ein Problem sind

Wieso am FSV auch die Stadt Zwickau hängt

Vereine, die kleinere Budgets als ihre Ligakonkurrenten besitzen, überschulden sich absichtlich. Um die Chance zu wahren, an die dicken Töpfe der DFL in der 2. Bundesliga zu kommen, oder einfach nur nicht abzusteigen. Doch der DFB hat kein ausreichend scharfes Mittel, um überschuldete Vereine zu bestrafen. Einen Punktabzug kalkulieren die Vereine ein, die schon jetzt oft am Geldhahn von Investoren oder öffentlichen Sponsoren hängen.

Der FSV Zwickau lieferte neben dem Eingeständnis der Verschuldung auch gleich einen Plan mit, wie sie das Finanzproblem in den Griff bekommen wollen. Der Haken: Von der Idee, die Stadionmiete zu halbieren und so 200.000 Euro einzusparen, wusste der Stadioninhaber - die Stadt Zwickau - überhaupt nichts. Im Rathaus diskutieren deshalb dieser Tage die Politiker wild durcheinander. Die einen meinen, dass sich der Verein durch die Drohung mit einem Abstieg schon für eine Rettung disqualifiziert hätte. Die anderen sehen ein weitaus größeres Problem.

Zwickaus Stadion ist nicht ausgelastet

Erst vor zwei Jahren wurde das neue Stadion in Zwickau-Eckersbach eröffnet. Die Kosten beliefen sich auf etwa 20 Millionen Euro für die moderne Arena auf dem Gelände einer ehemaligen Plattenbausiedlung. Die Hoffnung der Stadt war es, neben dem Event Drittligafußball auch weitere Veranstaltungen nach Zwickau zu locken. Doch ein Blick in den Stadionkalender zeigt: An 26 von 31 Tagen steht die Immobilie im Dezember leer. Vor dem Spiel zwischen Zwickau und Sonnenhof Großaspach tagt das Regionalschulamt, der Caterer und zwei Privatleute haben die Lounge jeweils für einen Tag gebucht. Viel zu wenig.

Abgesehen davon, rechnet der Verein damit, dass allein die 2.100 Mitglieder einen Fehlbetrag von 80.000 stemmen werden, zusätzlich der Mannschaftsbus für 50.000 Euro versponsort wird und ein Freundschaftsspiel (Gegner und Zuschauerinteresse offen) weitere 70.000 Euro in die Kassen spült. Eine Rechnung, die nicht unbedingt aufgehen muss.

Ist das noch unterstützenswert?

Und so stellt sich für die Stadt nun die Frage, ob sie einwilligt, und dem Verein die Hälfte ihrer Stadionmiete erlässt. Klar ist auch, dass die Mieteinnahmen für einen Regionalligisten ganz sicher nicht höher wären. Sollte die Stadt es nicht tun, stünde der FSV vor einem Problem - vielleicht vor dem Abstieg. Und die Fans vor einem Scherbenhaufen.

Was die Frage aufwirft, ob Vereinen, die mehr auf Verschuldung als auf sportliche Leistung setzen, überhaupt noch geholfen werden soll. Mit Blick auf den letzten DFB-Finanzbericht ist davon auszugehen, dass Zwickau nicht der letzte Klub bliebe.

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>>> Wie konnte die 3. Liga zum Millionengrab werden? Lest hier unsere Geschichte aus Ausgabe #196.