Warum wurde eine Israel-Fahne bei Union Berlin abgehängt?

Eine Kamerun-Flagge war kein Problem

Der Vorsatz der politischen Neutralität der Berliner Polizei scheint somit sehr dehnbar zu sein. Im vergangenen Jahr hing im Ingolstädter Gästeblock eine Kamerun-Flagge, da Marvin Matip, Kapitän der »Schanzer«, aus dem Land stammt. Damals war die Fahne in der Alten Försterei kein Problem.

Gestern hieß es noch, das Verbot der Israel-Flagge diene der »Gefahrenabwehr«, weil es in Berlin eine große palästinensische Gemeinde gibt, die nicht provoziert werden solle. Das dementierte die Polizei heute wieder. Ein möglicher Grund für die Alarmbereitschaft der Polizei könnte auch die riesige und von Gegendemonstranten begleitete Palästina-Konferenz vom Samstag gewesen sein.

»Eine Fehlentscheidung«

Dass die Polizei gestern Mist gebaut hatte, blieb auch beim obersten Chef nicht unbemerkt. Innensenator Frank Henkel drohte gestern mit Konsequenzen: »Ich halte das Abhängen der Fahne für die falsche Entscheidung. Sollte sich eine Fehlentscheidung bestätigen, wird sich die Polizei bei den Betroffenen entschuldigen.«

Das tat sie heute auch. »Die Aufforderung zum Einrollen der Flagge war eine Fehlentscheidung, für die ich bei den Betroffenen um Entschuldigung bitte«, ließ sich Polizeipräsident Klaus Kandt zitieren. Dass der Einsatzleiter das Zeigen der Flagge für ein politisches Statement hielt, war ebenfalls falsch. Für das Image der Metropole Berlin, die sich gerne als weltoffene Hauptstadt präsentiert, ist der Auftritt ihrer Polizei milde ausgedrückt ungeschickt. Die Ingolstädter nahmen die Entschuldigung des Polizeipräsidenten mittlerweile an. Gleichzeitig bedauerte der Verein, dass Almog Cohen überhaupt eine solche Situation erleben musste. 

Nur Union Berlin hätte die Entscheidung der Polizei verhindern können. Der Klub hat im eigenen Stadion Hausrecht und hätte dafür sorgen können, dass die Fahne der Ingolstädter hängenbleibt. Hat er aber nicht. Deswegen muss sich auch Union zumindest den Vorwurf gefallen lassen, das hanebüchene Vorgehen der Polizei im eigenen Stadion toleriert zu haben. Und so kann am Buch über Zaunfahnen weiter geschrieben werden.