Warum wurde Beiersdorfer beim HSV entlassen?

Sie nannten ihn Dukaten-Didi

Vor zweieinhalb Jahren kehrte Dietmar Beiersdorfer als Heilsbringer zurück zum angeschlagenen HSV. Doch dann ging es erst richtig bergab.

imago

Am Samstag war die Welt in Hamburg in Ordnung wie lange nicht mehr. Der HSV hatte am Nachmittag 1:0 gegen den FC Augsburg gewonnen, was für die Hanseaten den zweiten Sieg in Folge und den ersten Heimerfolg der Saison bedeutete.

Die Mannschaft spielte keinen Zauberfußball, aber sie kämpfte und steckte selbst nach der Roten Karte gegen Lewis Holtby nicht auf. Ein dreckiger Sieg, wie man so sagt, und das ist dieser Tage schon Grund genug, sich wieder ein bisschen lieb zu haben. Zumindest in Hamburg.
 
Nach dem Spiel posierten der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer und Aufsichtsratschef Karl Gernandt in trauter Zweisamkeit auf der Tribüne. Auch ein Bild, das am Abend aufgenommen wurde, zeugt von Frieden und Harmonie: Trainer Markus Gisdol, Dietmar Beiersdorfer sowie die Co-Trainer Frank Fröhling und Frank Kasperi stehen Arm in Arm neben Kiezgröße Kalle Schwensen. Breites Grinsen, die Hemden aufgeknöpft, halbleere Gläser in der Hand. Eine gealterte Boyband nach dem großen Comeback-Auftritt. Schwensen teilte das Foto später auf Facebook und schrieb dazu: »Wir werden ja nicht übermütig.« Wer käme denn da drauf?


 
Nun, zwei Tage später, muss Beiersdorfer den HSV verlassen. Neuer Vorstandsvorsitzender wird der 68-jährige Heribert Bruchhagen, ehemals DFL-Vorstand und Chef bei Eintracht Frankfurt. Früher, in den Neunzigern, war er schon mal als Manager beim HSV tätig.
 
Die Entscheidung war zu erwarten. Sie ist pragmatisch – auch wenn sie nicht unbedingt ein Zeichen für die ferne Zukunft ist. Was ein wenig überrascht, ist der Zeitpunkt (zum Ende der Hinrunde, inmitten eines kleinen Hochs) und die Art der Bekanntgabe. Denn nicht der HSV machte die Meldung publik, sondern Reiner Calmund, der in den vergangenen Monaten vermehrt als Teilzeitpressesprecher des Klubs und bester Freund von Geldgeber Klaus-Michael Kühne aufgefallen war.
 
Der ehemalige Bayer-Manager saß am Sonntag bei »Sky90« und erklärte, dass seine Frau ihm eigentlich verboten hatte, über den HSV zu reden, was aber natürlich schwierig ist, wenn man Reiner Calmund ist. Also wusste die Welt bereits zwei Stunden vor der offiziellen Verkündung auf der Homepage über Beiersdorfer, Bruchhagen und den ganzen Rest Bescheid.
 
Aber: War das wirklich überraschend? Oder anders: Kann einen beim HSV überhaupt noch etwas überraschen?

Achtung: Uli Stein hat auch noch was zu sagen!
 
Alleine die bis heute andauernde Sportchefsuche ist eine Farce. Seit der Entlassung Peter Knäbels im Sommer wird alle paar Tage ein möglicher Nachfolger präsentiert. Nahezu jeder Name, der irgendwie irgendwann mal im Bundesligazirkus aktiv war, tauchte schon in der Kandidatenliste auf. Ganz vorne standen natürlich die Leute mit Stallgeruch, Männer wie Horst Hrubesch oder der ewige Felix Magath. Und spätestens wenn sich Ex-Profis wie Uli Stein zu Wort melden, weil sie auch noch etwas total Brisantes zu sagen haben oder vermeintliche Interna dieser Sportchefsuche ausplaudern, weiß man: Es steht wieder sehr schlecht um den HSV.
 
Kaum erwähnenswert, dass es auch sportlich drunter und drüber lief. Die Mannschaft spielte zwischenzeitlich so katastrophal, dass man glaubte, sie könnte nur noch gegen ein Team der Welt gewinnen: den HSV anno 2014/15.