Warum wir uns ein Finale zwischen Rom und Sevilla wünschen

Ungleiche Brüder

Neben den üblichen Verdächtigen haben es auch der AS Rom und der FC Sevilla ins Champions-League-Viertelfinale geschafft. Deren Trainer Eusebio Di Francesco und Vincenzo Montella sind dicke Freunde. Und längst für Kiew verabredet.

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»Er ist wie ein Bruder für mich«: So spricht Roma-Coach Eusebio Di Francesco über seinen alten Weggefährten Vincenzo Montella, der mittlerweile den Europa League-Seriensieger aus Andalusien betreut. Die beiden verbindet auf den ersten Blick eine ganze Menge. Von der ersten gemeinsamen Profistation  in Empoli bis zum Gewinn der bis dato letzten Meisterschaft des AS Rom in der Saison 2000/01. Als Spieler teilten sie sich sogar für zwei Jahre eine Wohnung. Das schweißt zusammen.

Italienisch stilsicher sind beide Trainer zumeist im maßgeschneiderten Anzug an der Seitenlinie anzutreffen. Kein Zufall, denn Montella und Di Francesco sind Mitbesitzer der Modeboutique Four Sides in Empoli. Wer genauer hinschaut, begegnet allerdings auf wie neben dem Platz einem ungleichen »Brüderpaar«.

Vincenzo Montello ragt kaum über die 1,70 hinaus. Sein Torjubel brachte dem flinken Stürmer den Rufnamen „aeroplanino“ ein, das kleine Flugzeug. Nach seinen Treffern drehte er mit ausgespannten Armen ab und wog den Körper von der einen Seite zur anderen. 100 Mal traf Montella für die Roma ins Schwarze. Allein 13 Tore waren es in der Meistersaison 2001. 25 Millionen Euro ließ sich der italienische Hauptstadtclub 1999 seine Dienste kosten. Was heute als Schnäppchen gilt, war vor der Jahrtausendwende noch ein Ausrufezeichen.

Prunk gegen Provinz

Vergleichbare Summen flossen für Eusebio Di Francesco nie. Di Francesco war ein bedachter Mittelfeldstratege, der ein Spiel lesen konnte. Vier Jahre spielte er für die Römer. Sein Anteil an der Meisterschaft war jedoch bestenfalls gering. Ganze fünf Mal kam er in der Serie A zum Einsatz. Nach seinem Abschied aus Rom am Ende der gleichen Saison war es für di Francesco mit den großen Namen vorbei. Piacenza FC, Ancona, Perugia, Karriereende. Kumpel Montella machte hingegen (kurzzeitig und mäßig erfolgreich) beim FC Fulham Station und kehrte anschließend vorübergehend nach Genua zurück.

Auch als Trainer schlugen Montella und Di Francesco andere Wege ein. Wege, die ihren Spielerkarrieren ähneln. Montella coachte mit Florenz und dem AC Mailand bereits zwei klangvolle Namen des italienischen Fußballs. Für Di Francesco ist der AS Rom seine erste große Station als Profitrainer. Davor führte er die US Sassuolo erstmals in die Serie A und etablierte den Provinzverein mit seinem unaufgeregten Führungsstil im italienischen Oberhaus.