Warum wir Max Kruse lieben

Das Anti-Vorbild

Nicht erst seit seinen vier Toren gegen Ingolstadt ist klar: Max Kruse hat in Bremen eigentlich nichts verloren. Warum er dort trotzdem genau richtig ist.

imago

Max Kruse hat schon viel erlebt. Erst galt er als Talent, dann als gescheitertes Talent. Er nahm den großen Umlauf-Bogen der zweiten Liga, um dann bei Borussia Mönchengladbach doch bis in die Nationalmannschaft vorzudringen.

Er geriet in die Schlagzeilen, weil sehr bildliche Details seiner intimsten Privatsphäre das Licht der Öffentlichkeit erblickten, weil er einen Haufen Geld und mehr in einem Berliner Taxi »verlor« und zu Unzeiten auf einer Autobahn rund um Bremen in einen Unfall verwickelt war. 

Anders als die anderen

Spieler wie Max Kruse spalten die Menschen. Und eigentlich ist allein das schon falsch. Denn Spieler wie Max Kruse gibt es kaum noch. Vielleicht gab es sie nie, und die Verklärung der guten alten Zeit, in der Fußballer noch Typen waren, sind genauso unangebracht, wie es Verklärungen der guten alten Zeiten meistens sind. 

Was stimmt: Max Kruse ist anders als das Gros der (aktuellen) Bundesliga-Spieler. Er hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg (hier geht's zum Interview mit ihm >>>), scheint immer mal wieder (oder fortwährend) ein Bäuchlein durch die Stadien zu tragen, das dem Bild der durchtrainierten Muster-Profis in gläsernen Zeiten nicht so recht entsprechen will und vor allem aber ist er verdammt nochmal besser als der Durchschnitt all derer, die sich mit ihm in der Liga tummeln.

Kruse-Quartett - und immer sticht der Max

17 Scorerpunkte hat er in dieser Saison bereits auf seinem Konto verbucht; in 19 Spielen. Der wundersame Aufschwung an der Weser mag viele Gesichter kennen; das leicht bäuchige, Zopf gekrönte Wesen Kruses eignet sich trotz allem am ehesten dazu in Bremer Marmor geschlagen zu werden.

Vier Tore waren es allein im Spiel gegen Ingolstadt. Das ist selbst Kruse, der mit seinen 29 Jahren inzwischen schon fast alles gesehen und erlebt haben sollte, noch nicht gelungen. Dabei zeigte er die ganze Palette seines Könnens. Ein abgebrühter Elfer, ein eiskalter Schlenzer ins Eck, ein Abstauber-Tor und ein solide abgeschlossener Konter ins leere Tor hinein. Kruse-Quartett - und immer sticht der Max.