Warum wir heute (fast) alle Darmstadt sind

Verklärte Romantik? Unbedingt!

Es wäre ihnen zu wünschen. Denn die Leistung der Darmstädter auch in dieser Saison kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Klar, der Durchmarsch vom Tabellenende der dritten Liga bis in die Bundesliga, der anschließende Klassenerhalt unter Dirk Schuster war ein einziger Rausch. Ein Märchen, so groß wie die Meisterschaft von Leicester City. 

Dass sich das Wunder in diesem Jahr nicht wiederholt hat, liegt in der Natur der Sache. Wunder kommen selten im Dutzend. Oder auch nur im Doppel. Dass der Klub unter Torsten Frings zurück in die Erfolgsspur gefunden hat, ist trotzdem eine Erfolgsgeschichte. 

Auffangbecken für Aussortierte und Gescheiterte

Immerhin steht die Mannschaft derzeit mit 15 Punkten aus 14 Spielen auf Platz 14 der Rückrunden-Tabelle. Hochgerechnet auf 34 Spieltage wären das 36 Punkte über die gesamte Spielzeit gesehen. Auch damit wäre der direkte Klassenerhalt eine Zitterpartie; aber eben auch nicht unwahrscheinlich.

Und das mit einem Kader, der bei aller Liebe eben doch noch immer ein Auffangbecken für andernorts Aussortierte und vermeintlich Gescheiterte ist. Wobei ja genau das der besondere Zauber ist, der der Darmstädter Erzählung innewohnt. Dass es nicht unbedingt nötig ist, Millionen zu investieren, um mithalten zu können. Dass es nur einen guten Plan, Zusammenhalt und den Glauben an sich und die eigene Sache braucht.

Verklärte Romantik? Unbedingt!

Die alte Romantik, dass Geld eben doch keine Tore schießt. Eine Romantik, die im groben Setzkasten aller Ligen weltweit immer wieder und immer drastischer widerlegt wird. Um uns dann im Einzelfall umso mehr zu erwärmen.

Vermutlich wird der SV Darmstadt 98 heute Abend trotz allem bereits abgestiegen sein. Denn sie haben keine Chance. Vielleicht nutzen sie sie dennoch. Es wäre ihnen zu wünschen.