Warum wir den Amateurfußball lieben

Adieu für ein Kalb

Im Leben wie im Fußball geht es bekanntlich darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Viele Entscheidungen fällen wir unbewusst, manche von leichter Hand. Und dann gibt es Situationen, in denen es fast aussichtslos erscheint, zwischen falsch und richtig zu entscheiden. Wie im folgenden Fall.

Man stelle sich nur einmal vor, man sei ein Bauer. Dazu Torhüter seines Dorfvereins und inmitten eines wichtigen Auswärtsspiels beim Lokalrivalen. Man stelle sich weiterhin vor, es liefe nicht besonders gut. Nach 25 Minuten führte der Gegner mit 5:0, als einen vom heimischen Hof der Anruf ereilt, das lang ersehnte Kalb sei auf dem Weg, das Licht der Welt zu erblicken.

Der Präsident muss ins Tor

Für einen Torhüter des AS Marly Gomont war der Fall klar. Er zögerte keine Sekunde, ließ sich auswechseln und eilte heim zu seiner trächtigen Mutterkuh. Dumm nur, dass der Klub ohnehin ersatzgeschwächt angetreten war. Ganze 14 Spieler fielen im Vorfeld der Begegnung verletzt aus, zu zwölft trat der Verein die Reise zum Auswärtsspiel an.

Ein Ersatztorhüter war leider nicht darunter. Und so erbarmte sich schließlich der 61 Jahre alte Präsident des Vereins. Mit überschaubarem Erfolg. Mit 0:10 ging es in die Halbzeit. In der Kabine schlugen jüngere Spieler einen Spielabbruch vor, die Mannschaft entschied sich jedoch im Sinne des Fairplay durchzuhalten. Nach 90 Minuten hieß es 0:20.

»Wir hätten abbrechen können. Aber was ist besser? Die bittere Pille schlucken, weitermachen und lernen? Oder aufgeben?«, fragte Präsident Alain B. in einer Stellungnahme auf der vereinseigenen Homepage. Es war die richtige Entscheidung. Der Gegner gratulierte ob der sportlich fairen Einstellung, der Verein war kurzzeitig in aller Munde und auch das Kalb des Torhüters startete so halbwegs reinen Gewissens ins Leben.