Warum wir den Ajax-Fußball so schön finden

Einfach Fußball

Alle lieben Ajax Amsterdam. Die Mannschaft hat Real Madrid geschlagen, hat Juventus Turin bezwungen und spielt begeisternden Fußball - was vor allem einen Grund hat.

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Es kann so einfach sein: Ein weißer Streifen links, ein weißer Streifen rechts und zwischendrin ein dicker roter Balken. Johan Cruyff hat mit diesem Trikotdesign Fußball gespielt, Ronald Koeman, Dennis Bergkamp, Patrick Kluivert, Zlatan Ibrahimovic und Heiko Westermann taten es ihm gleich. Erfolg war keine Selbstverständlichkeit, fußballerische Eleganz auch nicht. Das Gesicht von Ajax veränderte sich über die Jahre. Was aber sicher war: Weiß-Rot-Weiß, das Trikot wandelte sich höchstens marginal. Ajax-Mannschaften waren von weitem zu erkennen.

Ungleiches Duell

Am Abend bezwang Ajax im Champions-League-Viertelfinale Juventus Turin, den italienischen Rekordmeister. Finalist von 2015 und 2017. Gemessen an der Historie beider Klubs ein Duell auf Augenhöhe. Gemessen an den Transferausgaben, den Umsätzen und der damit verbundenen Erwartungshaltung ein ungleiches Duell. Turin erzielte in den vergangenen Jahren ein Transferminus von 188 Millionen Euro, Amsterdam verzeichnete in der gleichen Zeit ein Plus von 64,4 Millionen Euro.

Aber warum über Geld reden? Schließlich hatte doch Johan Cruyff gesagt: »Ich habe noch nie einen Sack Geld ein Tor schießen sehen.« Weshalb sich Sportdirektor Marc Overmars an diese Goldene Regel des ehemaligen Aufsichtsratsmitglieds gehalten hatte und stets für sehr wenig Geld neue Spieler kaufte. Völlig gleich, wer gerade erst gegangen war. Ajax Amsterdam - das bedeutete immer Vision über Finanzen.

Wie im Hinterhof

Am Abend spielte Ajax. Und sie spielten, schon wieder, ganz wunderbar. Das Dreigestirn aus Hakim Ziyech, Dusan Tadic und David Neres kombinierte auch noch im Strafraum, als würden sie nicht in der Champions League, sondern in irgendeinem Hinterhof von Watergraafsmeer kicken. Donny van de Beek und Frenkie de Jong, beide nur 21 Jahre alt, beherrschten mit eleganten Bewegungen das Mittelfeld. Deuteten an, was ihnen in Zukunft noch alles gelingen könnte. Und zum krönenden Abschluss wuchtete Matthijs de Ligt, der 19-jährige Kapitän, umringt von zwei Gegenspielern den entscheidenden Kopfball ins Tor.

Ajax Amsterdam warf im Achtelfinale den dreifachen Titelverteidiger Real Madrid aus der Champions League. Jetzt schlug diese Mannschaft auch noch Turin. Und was viel wichtiger ist: Ajax begeistert auf eine Weise, dass ihnen der Champions-League-Titel schon gewiss wäre, würden allein Sympathien entscheiden.