Warum Werder Bremen in der Krise steckt

Forsche Töne, harte Realität

Ein Punkt aus fünf Spielen. Auch wenn die Niederlage gegen Bayern erwartbar war, steckt Werder Bremen in der Krise. Müssen sie sich die Europa League abschminken?

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Die Bundesliga ist eine Liga des Tiefstapelns. Borussia Dortmund führt die Tabelle mit sieben Punkten an, dennoch möchte Lucien Favre nicht über die Meisterschaft reden. Ähnlich läuft es in Gladbach oder Frankfurt, wo der Begriff »Champions League« tabu ist. Bloß keine zu großen Ambitionen hegen! Man könnte ja die Anhänger enttäuschen.

Wieso viele Klubs diesen Weg wählen, sieht man aktuell in Bremen. Nassforsch hatte der Klub vor der Saison das Ziel Europa League ausgerufen. Kaum befindet sich der Klub in der ersten größeren Krise, wird dieses Ziel gegen ihn verwandt. Fünf Spiele, ein Punkt, 6:14 Tore: Und ihr wollt nach Europa? Doch wie konnte Bremen in diese Krise geraten? Und müssen sie das Ziel Europa nun abhaken? Vier Gründe für Bremens Krise.

1. Kohfeldt sucht nach dem richtigen System

Zu Saisonbeginn schien das Ziel Europa keineswegs vermessen. Bremen holte siebzehn Punkte aus den ersten acht Spielen. In dieser Phase setzte Kohfeldt auf ein festes Stammsystem: Aus einem 4-3-3 heraus dominierte seine Mannschaft den Gegner. Werder gehört zu den wenigen Teams der Liga, die auf ein ruhiges Ballbesitzspiel setzen. In elf ihrer 13 Saisonspiele hatten sie mehr Ballbesitz als der Gegner.

Mit der Zeit entschlüsselten die Gegner jedoch Kohfeldts System. Sie wussten: Wir müssen die Läufe des Mittelfelds auf die Flügel unterbinden und verhindern, dass Bremen auf den Seiten Überzahlen herstellen kann. 
Mittlerweile sucht Kohfeldt fast schon verzweifelt ein neues System. Doch egal ob mit Dreierkette, Raute oder einem klassischen 4-4-2: Die einzelnen Rädchen greifen nicht so gut zusammen wie zu Beginn der Saison.

Es sind häufig nur Details, die nicht stimmen: einzelne Laufwege, die Positionierung im Spiel gegen den Ball, Zweikämpfe in der Abwehr, die verlorengehen. Diese Details summieren sich jedoch, gerade bei einem Ballbesitz-Team wie Bremen, für das Präzision und genaue Abläufe entscheidend sind. Umso wichtiger wird es für Werder sein, dass Kohfeldt wieder ein festes System findet, auf das er vertrauen kann.

2. Bremen fehlt die Präzision im Pressing

Bremens Suche nach dem richtigen System belastet nicht nur das Ballbesitzspiel. Auch gegen den Ball erreicht Bremen nicht mehr das hohe Niveau der ersten Spieltage. Sieben Gegentore in den ersten acht Spielen: Das war eine Hausmarke. In den vergangenen fünf Spielen kassierte Bremen 14 Treffer.

Im Pressing fehlt den Bremern die Aggressivität. Dies war gut zu erkennen bei der 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern. Das Mittelfeld verpasste den richtigen Zeitpunkt, den Gegner unter Druck zu setzen. Die Abwehr wiederum ließ die Schnittstellen offen. Wieder und wieder konnten Joshua Kimmich und Leon Goretzka präzise Pässe hinter die Abwehr spielen. Damit machte es Werder dem Rekordmeister einfach.