Warum Volkan Kahraman ins österreichische Parlament will

Ein ganz neues Spielfeld

Volkan Kahraman spielte 31 Mal für Österreich. Nun will der Wiener mit türkischen Wurzeln seinem Land auf andere Weise dienen – als christdemokratischer Politiker.

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Diese Geschichte ist so unglaublich und so spannend wie ein Märchen aus »1001 Nacht«: Volkan Kahraman (38), türkisch-stämmiger Ex-Nationalkicker Österreichs, könnte bei den heutigen Wahlen ins österreichische Parlament einziehen – und das auch noch für die katholisch-konservativ geprägte Österreichische Volkspartei (ÖVP), eine Art alpenländische Schwesterorganisation von CDU und CSU. Na und? Es gehe doch schließlich darum, »Brücken zu bauen, anstatt Mauern der Intoleranz zu ziehen«, sagt Kahraman. »Vor allem in einem so kulturreichen Land wie Österreich.«

Der »Austro-Türke«

Schon als Teenager spielte Kahraman, der als Profi u.a. bei Feyenoord Rotterdam, Trabzonspor und Austria Wien unter Vertrag stand, für sein Geburtsland Österreich. In seinem Leistungsnachweis stehen drei Einsätze im U16-Nationalteam. Damals zählte er als »Austro-Türke« noch zu den Vorreitern des Multi-Kulti. In der U21-Auswahl (25 Einsätze) galt Kahraman später als großer fußballerischer Hoffnungsträger der Alpenrepublik. Im A-Nationalteam, wo er 2002 als 22-Jähriger unter dem damaligen Nationalcoach Hans Krankl debütierte, blieb Kahraman jedoch der große Durchbruch verwehrt. Nach drei Einsätzen wurde er nicht mehr berufen – auch, weil seine Klubkarriere, die ihn bereits als 16-Jährigen zu Feyenoord geführt hatte, später ins Stocken geriet. Im Herbst seiner Laufbahn tingelte der offensive Mittelfeldspieler noch durch die unterklassigen Ligen Österreichs. Es war eine spannende und lehrreiche Zeit für Volkan Kahraman, die ihn mit dem Erfolg, aber auch mit dem Misserfolg bekannt gemacht hat.

Einige Weisheiten aus dem Sport hat der heutige Drittliga-Coach mit hinüber in die Politik gebracht. »Beim Fußball kümmert es keinen, ob du groß, klein, Österreicher oder Ausländer bist. Das einzige, was wirklich zählt, ist, ob du deine volle Leistung gebracht hast und gut mit deinen Teamkollegen zusammengespielt hast«, sagt der Linksfuß, der politisch eher auf Mitte-Rechts schwört.

Alternative für Österreich

Denn Kahraman kandidiert in seinem Heimat-Wahlkreis Wien-Süd (Simmering, Favoriten, Meidling), wo es die konservative ÖVP traditionell schwer hat. Viele der dort lebenden alteingesessenen Arbeiter wählen die sozialdemokratische SPÖ. Viele andere im armen Wiener Süden, der so reich ist an Migranten, wählen lieber die FPÖ. Die Rechtspopulisten könnten laut Umfragen österreichweit auf rund 25 Prozent der Stimmen kommen. Kahraman will eine Alternative für Österreich sein. Sein Lieblingsthema ist das Zusammenleben der Kulturen, kurz: Integration.