Warum verlor die DFB-Elf gegen Frankreich?

Viel Breite, wenig Tiefe

Aus, Aus, der Traum ist aus. Deutschland wird nicht Europameister. Dazu brauchte es gegen Frankreich eine Menge Pech, aber auch eigenes Unvermögen – gerade in der Offensive.

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Zum Glück haben die 11FREUNDE kein Phrasenschwein. Sonst würde dieser Artikel teuer werden. Deutschlands Halbfinal-Aus gegen Frankreich lädt regelrecht zur Phrasendrescherei ein. Deshalb müssen jetzt einfach mal alle Phrasen raus, bevor es mit der Analyse losgeht:

Es lief alles gegen die deutsche Mannschaft.
Im Fußball gewinnt nun einmal nicht immer der Bessere.
Wer am Ende keine Tore schießt, ist selbst Schuld.
Ausgerechnet Schweinsteiger und Kimmich!
Der Oldie und der Youngster machen die entscheidenden Fehler.
Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.

Es ist leicht, dieses Spiel mit Phrasen abzutun. Pech gehabt, dumm gelaufen, nächstes Mal geht’s weiter. Doch kann man das deutsche EM-Aus halbwegs rational erklären? Wir versuchen es – und beantworten die wichtigsten Fragen zum Halbfinale.

Warum Emre Can?

Joachim Löw entschied sich auch im Spiel gegen Frankreich dafür, seine Formation an den Gegner anzupassen. Er sah Frankreichs große Stärke im zentralen Mittelfeld – zurecht. Die Achse aus Paul Pogba, Blaise Matuidi und Antoine Griezmann soll im Zentrum für Präsenz sorgen. Löw wollte dieser Achse ein 4-3-3 entgegenhalten.

Diese Idee ging relativ gut auf. Kroos und Can rückten im Pressing auf die französische Doppelsechs, Bastian Schweinsteiger sicherte dahinter für eventuelle Pässe auf Griezmann ab.

Dimitri Payet und Moussa Sissoko konnten wiederum nicht wie gewohnt ins Zentrum rücken, da sie häufig defensiv aushelfen mussten gegen die weit aufrückenden Außenverteidiger Joshua Kimmich und Jonas Hector. Nicht immer konnte Deutschland die Gefahr durch das französische Zentrum bannen, viele Konter erstickten sie aber im Keim - dem 4-3-3 sei Dank.

Warum kam die deutsche Offensive nicht in Schwung?

Das hatte in gewisser Weise auch mit dem 4-3-3 zu tun. Deutschland konnte auch in dieser Formation im Spielaufbau glänzen. Schweinsteiger verband als zentraler Akteur die beiden Seiten. Boateng gestaltete das Spiel von der halbrechten Seite und rückte ab und an sogar nach vorne.

Toni Kroos war sein Kontenpart auf der halblinken Seite. Beide rissen das Spiel an sich, verlagerten es immer wieder und öffneten damit den Raum. Frankreich bekam keinen Zugriff und musste sich weit zurückziehen, um keine Räume für Deutschland zu öffnen.

Deutschland spielte erneut sehr gut um die gegnerische Formation herum – in die gegnerische Formation kam man jedoch selten. Der Dreiersturm harmonierte nicht. Mesut Özil ließ sich häufig fallen, versuchte aus der Tiefe Angriffe einzuleiten. Julian Draxler und Thomas Müller fanden jedoch nie das richtige Timing beim Einstarten in den Sechzehner. Deutschland hatte zu wenig Tiefe im Spiel.

Das lag auch an der 4-3-3-Formation: Ein weiterer Spieler, der dynamisch in den Sechzehner startet, hätte dem Offensivspiel nicht geschadet. Can hielt sich hier stark zurück. Von der Couch lässt sich das jedoch leicht sagen, schließlich haben die Franzosen unheimliche Klasse im Konter, die Deutschland lange Zeit kontrollieren konnte.

Jedoch traten spätestens nach dem Gegentor die Nachteile der 4-3-3-Formation zutage: Deutschland gab zwischen dem 0:1 und dem 0:2 keinen einzigen Torschuss ab.