Warum Uli Hoeneß sein Amt niederlegen sollte

Warum Hoeneß die Unterstützung in München verliert

Ach Uli, was ist bloß passiert? Jahrzehntelang war dieser Mann ein Großmeister darin, auf der Klaviatur der Gefühle seiner Bayern-Gemeinde zu spielen, Strömungen zu erfühlen, aufzunehmen und zu seinen Gunsten zu verwandeln. Wirkte ein Beckenbauer manchmal wie nicht von dieser Welt, ein Rummenigge hüftsteif-westfälisch, an Ulis Lippen hingen sie immer. Sein Wort war Gesetz, und er wusste das und profitierte davon. Und nun? Irritation, Verwirrung, Ungläubigkeit: Ist das noch mein FC Bayern?

Desaster mit Ansage 

Für die meisten anderen hingegen war es ein Desaster mit Ansage. Schon bei der bizarren Pressekonferenz vor einigen Wochen, bei der die Bayern-Führung die Presse auf Linie zu bringen versuchte, hinterließ Uli Hoeneß, wie auch seine Mitstreiter Rummenigge und Salihamidzic, einen derart unsouveränen Eindruck, dass es einen dauern mochte.

In der dieser Tage erschienenen 11FREUNDE-Jahreschronik 2018 ist eine gekürzte Abschrift jener Veranstaltung enthalten, und als der Schlussredakteur dieses Magazins, ein lebenslanger Bayern-Fan, den Beitrag Korrektur lesen musste, da war ihm anzumerken, dass es ihm körperliche Schmerzen bereitete. Nie hatte er sich vorstellen können, dass sich die Seinen mal so zum Horst machen würden. Doch seit dem letzten Freitag wissen wir, dass bei Hoeneß auf der nach oben offenen Horst-Skala das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.

Keine Verlängerung, bitte

Nach allem, was man hört, möchte sich der Bayern-Präsident in einem Jahr noch mal im Amt bestätigen lassen. Ich glaube, ich möchte das nicht. Ich habe Uli Hoeneß beileibe nicht immer gemocht, aber er ist ein Teil meiner Fußball-Biografie, und ich würde ihn gerne in halbwegs respektvoller Erinnerung behalten.