Warum Uli Hoeneß sein Amt niederlegen sollte

Auf der nach oben offenen Horst-Skala

Wenn man mit Uli Hoeneß plötzlich Mitleid empfindet, ist beim FC Bayern die Zeitenwende nicht weit. Ein Kommentar.

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Solange ich mich für Fußball interessiere, gibt es Uli Hoeneß, inzwischen ist das tatsächlich beinahe ein halbes Jahrhundert. In dieser Zeit habe ich gegenüber diesem streitbaren Typen nahezu jedes mögliche Gefühl entwickelt.

Bewunderung und Respekt

Ich habe ihn bewundert für seine schnellen Vorstöße mit den wehenden blonden Haaren während meiner frühkindlichen Verirrung als Bayern-Fan. Ich habe ihn verflucht, als er im EM-Finale 1976 den Elfmeter in den Belgrader Nachthimmel jagte. Ich war genervt davon, wie er als Manager den FC Bayern fast konkurrenzlos gemacht hat. Ich hatte Respekt vor seinem sozialen Engagement und war fassungslos, als er wegen Steuerhinterziehung in den Knast gewandert ist.

Es gäbe noch zig andere Abstufungen, die an dieser Stelle Erwähnung finden könnten, aber eine Emotion kannte ich im Zusammenhang mit Uli Hoeneß bislang nicht: Ich hatte noch nie Mitleid mit ihm.

Hoeneß verstand die Welt nicht mehr

Nun, am letzten Freitag war es soweit. Als sich der jahrzehntelange Herrscher des FC Bayern auf der Jahreshauptversammlung von einem einfachen, aber eloquenten Fan die Leviten lesen lassen musste, anschließend die Diskussion über das Gesagte verweigerte und aus dem Auditorium zum Teil wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen musste, da tat mir Uli Hoeneß von Herzen leid. Nicht etwa, weil ihm in diesem Moment ein schreiendes Unrecht widerfahren wäre, sondern weil dort jemand saß, der die Welt, oder schlimmer noch, sein eigenes Zuhause nicht mehr verstand.