Warum Tottenhams neue Statue direkt wieder kaputt ist

Schuss nicht gehört

Heute Abend empfängt Tottenham den FC Bayern München an der »New White Hart Lane«. Natürlich darf auf dem Dach des neuen Stadions das Maskottchen der Spurs, der goldene Gockel, nicht fehlen. Doch die neue Statue hat direkt eine fette Beule. Wieso?

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Die Sache scheint klar: Statuen der Vereinsikonen gehören direkt vor das Stadion. Dort, wo sie nah bei den Fans sind. Der bronzefarbene Sir Alex Ferguson am Old Trafford, Bobby Moore am Fuße des Wembley Stadiums oder Dennis Bergkamp direkt neben dem Emirates Stadium. Vielleicht schießt man als Zuschauer noch schnell ein Foto zusammen mit der ehrvollen Figur. Nicht aber bei den Tottenham Hotspurs.

Denn an der neugebauten »New White Hart Lane« sitzt das goldschimmernde Klubdenkmal, der Gockel vom Wappen der Spurs, auf dem Dach der Südtribüne. Ein wenig wie eine Marienstatue. Für ein verzweifeltes Stoßgebet müssen die Heimfans während der Partie also nur nach oben blicken, zu ihrem strahlenden Hahn. Doch nicht nur allein der Standort des »cockerel« ist besonders. Die nagelneue Statue bekam direkt eine dicke Delle verpasst – englische Wertarbeit oder volle Absicht?

Auf frischer Tat ertappt

Seit 1909 thronte der Original-Gockel auf dem Dach der White Hart Lane. Über hundert Jahre Wind und Wetter zogen nicht spurlos an ihm vorbei. Doch ein Schaden sticht heraus: ein Einschlag im Ball, auf dem das Tier steht. Er sieht unspektakulär aus, wie eine Beule in einer Autokarosserie. Eine urbane Legende erzählte lange Zeit, sie sei im zweiten Weltkrieg bei einem Luftbombenangriff auf London entstanden. Klingt dramatisch, ist allerdings erfunden. Die Wahrheit ist nicht weniger spektakulär. Denn der Täter war der damals 21-jährige Stürmer Paul Gascoigne.

Der goldene Gockel auf der alten »White Hart Lane«

Als 1988 der Klub das Maskottchen für Wartungsarbeiten abgebaut hatte, schnappte »Gazza« sich ein Luftgewehr und feuerte aus Jux auf den Hahn. »Er versuchte es zu verleugnen, aber er wurde dabei beobachtet«, erinnert sich Klub-Historiker John Fenelly auf der Website der Spurs.

Gazzas Erbe

So richtig übel hat der Klub es ihm nicht genommen, denn der Schaden wurde bis heute nicht wegrestauriert. Im Gegenteil: Auch die Einweihung des neuen Stadions hat der »Makel« des Gockels überlebt. Der Verein bildete die Figur in fast doppelter Größe (viereinhalb Meter) mit allen Details nach – inklusive der »Gazza«-Delle.

Das Original steht mittlerweile in der Lobby von Tottenhams Geschäftsstelle. Dort klärt man die Besucher aus nächster Nähe über diese sonderbare Beule auf, die keine Kriegsverletzung ist, sondern lediglich das Ergebnis einer dummen Idee von Paul Gascoigne.