Warum Toni Kroos der wichtigste DFB-Spieler ist

Warum Kroos seine Meinung überdacht hat

Toni Kroos geht seinen Weg. In Rostock trainierte einst sein Vater Roland ihn und seinen jüngeren Bruder Felix, der heute Spieler beim 1. FC Union Berlin ist. Bereits mit 16 wechselte Toni Kroos zum FC Bayern. Dort spielte er von 2006 an - mit einem eineinhalbjährigen Ausflug nach Leverkusen - bis 2014 und war wesentlicher Bestandteil jener Mannschaft, die 2013 das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewann.

Für die allermeisten Fußballer ist ein Engagement beim FC Bayern das Höchste der Gefühle, das Ende der Fahnenstange. Und es gibt Spieler, die noch einen Schritt weitergehen und von Real Madrid gerufen werden. Dort trägt Kroos nicht etwa wie manch anderer bloß gelegentlich den Vereinsanzug spazieren und verfolgt sonst das Geschehen von der Bank aus - er prägt und steuert auch hier das Spiel. Zinedine Zidane, einer der größten Fußballer überhaupt und in den zurückliegenden drei Jahren Trainer von Madrid, nennt Kroos schlicht »außergewöhnlich«. Ein Spieler »mit unglaublicher Ruhe am Ball und schnell im Kopf - das ist selten«.

Abgeschirmt

Im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol sollen an einem Tag sämtliche 23 Spieler der deutschen Mannschaft für Interviews zur Verfügung stehen. Im Mannschaftshotel, das sonst komplett abgeriegelt ist, sitzen sie jeder an einem eigenen Tischchen.

Große Trauben von Reportern bilden sich um die Tische von Manuel Neuer und Mats Hummels, die am kleinen Strand der Poollandschaft aufgebaut sind. Thomas Müller, auch so ein begehrter Gesprächspartner, hat seinen Tisch oben auf der weitläufigen Dachterrasse. Den Tisch von Toni Kroos müssen die Reporter erst suchen. Er liegt hinter einer Kurve auf einem anderen, zunächst nicht einsehbaren Teil der Terrasse. Vermutlich wollten die Mitarbeiter der Medienabteilung ihm einen Gefallen tun, ihn vor dem Rummel verstecken, abschirmen. Die Kamerateams finden ihn natürlich trotzdem.

Wohltuende Worte

Hundert Dinge wollen sie von ihm wissen. Welche Nationen sind die großen Favoriten, wie gut sieht er die deutsche Mannschaft nunmehr auf dem Weg zur Titelverteidigung? Der Toni Kroos, der die Fans im März mit ernüchternden Worten unsanft zurück auf den Boden des Fußballstadions holte, hat dieses Mal wohltuende für sie. Qualitativ sehe er das jetzige Team auf Augenhöhe mit dem Weltmeister-Team von vor vier Jahren, sagt Kroos, »vielleicht sogar besser«. »Mit Ball sind wir fast stärker als 2014, wenn wir das ohne Ball auch hinbekommen, werden wir gute Chancen haben in Russland.« Entscheidend werde sein, »ob wir dieses Gefühl entwickeln können wie 2014, dieses Gefühl, ganz, ganz schwer zu schlagen zu sein. Dieses Gefühl, immer die Möglichkeit zu haben, ein Tor zu machen.«

Bestimmt war der Sommer 2014 der Sommer seines Lebens. Er wurde Weltmeister und wechselte zum größten Fußballverein der Welt. Vielleicht aber steht Toni Kroos im Sommer 2018 im Zenit seiner Schaffenskraft.

Immer belastbar

Er sei in seiner Spielweise gereift, formulierte es Bundestrainer Joachim Löw im Trainingslager in Südtirol, und durch die Jahre im Ausland in seiner Persönlichkeit gewachsen. »Immer belastbar, ohne dass er Müdigkeit zeigt.« Derjenige, der die Mannschaft aus seiner Position heraus führe, vor allem nie Nerven zeige. »Das alles macht ihn in seiner Art besonders.«

Es war die Eloge an einen, der noch gar nicht anwesend war - und dennoch über allen schwebte. »Ich bin von meinen Qualitäten überzeugt und weiß, dass ich sie, egal in welchem Spiel, zeigen kann«, sagt Kroos selber dann in die Kameras vor seinem Interviewtischchen. Das gebe ihm Ruhe. Es gelingt ihm, diese Sätze zu sagen, ohne dass sie irgendwie arrogant klingen.

Und schließlich sagt er noch: »Es ist nur Fußball.«