Warum Thorsten Legat nicht Trainer beim TSV Marl-Hüls wurde

Auch in der Oberliga: Vertrag ist Vertrag

Diese Zeiten sind beim TSV Marl-Hüls mittlerweile Geschichte. Ihr Trainer, Michael Schrank, hatte sich im Sommer darum bemüht, die kommende Saison zu sichern. Oberliga in Marl-Hüls, der Aufstieg 2015, das war sein Werk. Er verhandelte mit seinen Spielern neue Verträge aus, stellte mit geringeren Mitteln einen Kader zusammen, bis er im September genug hatte. Er verkündet nach weiteren internen Querelen seinen Abschied.

Studenten sind drauf angewiesen

»Plötzlich stand die Saison wieder auf der Kippe«, erklärt Nowitzki, der daraufhin mit weiteren Teamkollegen das Training organisierte. »Wir sind mit Bauchschmerzen zum Platz, Spaß hat das schon lange nicht mehr gemacht.« Und jetzt, wenn es nach den Vorstellungen des Vorstands geht, sollten er und seine Jungs auf Teile ihres Gehalts verzichten. Es geht ans Eingemachte. Oder wie Nowitzki sagt: »Wir haben viele Studenten, die auf das Geld angewiesen sind. Wir haben nunmal Verträge.«

Deshalb weigern sie sich auf die vereinbarten Summen zu verzichten. Der Vorstand ist nach eigener Aussage persönlich enttäuscht. Das Team hatte ihm die Entscheidung am Freitag mitgeteilt, danach das Vereinsgelände verlassen. Wie es jetzt weitergeht, ist noch nicht klar.

Drei Monatszahlungen

Denn der Beigeschmack ist bitter: alle Spieler hatten schon vor der Entscheidung einen Auflösungsvertrag zur Winterpause unterschrieben. »Am 1.1. hätten wir uns einen neuen Verein suchen können«, sagt Nowitzki. Der TSV Marl-Hüls hatte, auch mit der Personalie Legat, versucht, das sinkende Schiff bis dahin über Wasser zu halten. Im Winter hätte man sich vielleicht neu aufstellen können. Doch dafür hätten die Spieler auf drei Monatszahlungen verzichten müssen. Zahlungen, die ihnen nach der Abmeldung der ersten Mannschaft weiter zustehen.

Nowitzki sagt: »Wir sind Angestellte des Vereins. Er muss zahlen, wir müssen zum Training der zweiten Mannschaft und, wenn es der Verein will, dort auch bis zum Winter spielen.« Danach dürfte für die meisten sowieso Schluss in Marl-Hüls sein. Die ersten Konkurrenten aus der Oberliga haben angeblich ihre Angebote bereits hinterlegt.

Oberliga ist nicht Kreisklasse

Im Internet werden die Spieler als »geldgeile Geier« beschimpft. Zum Essen wird sie sicher kein Fan einladen. Nowitzki und seine Teamkollegen wollen das nicht auf sich sitzen lassen: »Oberligafußball ist nicht mit der Kreisklasse zu vergleichen. Da kommen die Jungs mit zwei Promille zum Spiel, aber wir haben viel Aufwand. Zeit, Fahrtkosten, Verbrauch. Das sollten man schon differenzierter sehen.«

Das stimmt. Es bleibt trotzdem die Frage, was Oberligakicker heute sind: angehende Profis? Hobbyfußballer? Oder Angestellte ihres Vereins?