Warum Tedesco auf di Santo setzt

Der stürmende Manndecker

Schalkes neuer Trainer hat eine taktische Rolle gefunden, die zu di Santo passt. Denn was er anderen Stürmern voraus hat, sind seine Kondition und sein Verhalten im Spiel gegen den Ball. Di Santo reibt sich im eigenen Pressing auf, läuft den Gegner in höchster Geschwindigkeit an und wirft sich in jeden Zweikampf. Er überzeugt dabei nicht unbedingt mit Spielintelligenz. Er ahnt keine gegnerischen Spielzüge im Voraus oder verfügt über ein überragendes Stellungsspiel. Er macht diese Schwächen aber mit Einsatz und Willen wett.

Tedesco nutzt die defensive Stärke, indem er ihm eine klare, recht simple Aufgabe überträgt. Di Santo agiert aktuell nicht als klassischer Stürmer, sondern eher als Zehner hinter der Doppelspitze Burgstaller-Embolo. Di Santos vornehmliche Aufgabe besteht darin, den gegnerischen Sechser aus dem Spiel zu nehmen. Gegen Bayern München deckte er Javi Martinez, am Wochenende gegen Bayer Leverkusen nahm er abwechselnd Dominik Kohr und Charles Aranguiz in Gewahrsam. 

Tedescos Spielstil kommt di Santo entgegen

Tedescos Umgang mit di Santo steht exemplarisch für den Fußball, den der Trainer auf Schalke spielen lässt: Er bastelt für jedes Spiel einen Matchplan, mit dessen Hilfe er die gegnerische Offensive lahmlegt. Sein Team soll frühe Ballgewinne provozieren, nach denen das Team schnell in die Spitze spielen kann. Auch im eigenen Ballbesitzspiel ist Tiefe ein entscheidender Faktor, Schalke will direkt aus dem Spielaufbau hinter die gegnerische Abwehr gelangen. 

Schalke kontert wieder besser als in den vergangenen Jahren, was auch Konterstürmer di Santo zugutekommt. Zugleich trägt er seinen Teil dazu bei, dass Schalke die nötige defensive Stabilität hat, um das eigene Konterspiel forcieren zu können.

Mehr als Tore

Tedescos Idee geht auf: Di Santo erfüllt seine Aufgabe als Manndecker mit Fleiß und Zweikampfstärke. Er setzt seine Gegenspieler unter Druck, gönnt ihnen keine Pause. Bei Ballbesitz wiederum startet er aus einer tieferen Position in die Spitze. Er sucht die Räume, die durch Burgstaller oder Embolo geöffnet werden. Gegen Bayern gelang ihm dadurch ein Treffer.

Daran sollte man Stürmer ja eigentlich messen: an Toren. Doch di Santos vornehmliche Aufgabe liegt in der Defensive. Daher wird er manches Mal unterschätzt. Nicht aber von Tedesco. Vielleicht ziehen die grummelnden Schalker Anhänger ja bald nach. Di Santo wird einfach weiterlaufen — so oder so.