Warum Sokratis so wichtig für Borussia Dortmund ist

Der Koloss

Borussia Dortmund spielt ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Doch zuverlässig verrichtet Sokratis Papasthathopoulos seine Arbeit. Und ist damit längst zum Abwehrchef geworden.

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Vor jedem Spieltag stellen wir euch einen Bundesligaspieler vor, der nicht immer im Rampenlicht steht und trotzdem eine entscheidende Rolle für seine Mannschaft spielt. Ob wir damit tatsächlich Recht behalten, seht ihr samstags ab 15 Uhr in unserer großen Bundesliga-Konferenz auf www.konferenz.11freunde.de.

Es gibt diesen Typen in jeder Mannschaft, den man auch – und das besonders, wenn man sich eher zu den Edeltechnikern der 2. Kreisklasse wähnt – in jeder Trainingseinheit besser in der eigenen Mannschaft weiß. Und nicht beim Gegner. Wir hatten mal einen solchen baumlangen und baumbreiten Verteidiger in unseren Reihen, dessen liebstes Hobby tatsächlich das Bäumefällen war. Quasi nebenberuflich versetzte er unsere Gegner in Angst und Schrecken, wenn der Wald sich mal erholen musste.

 

»Nicht meine Schuld«

 

Noch heute wird sich gerne in unserer Vereinskneipe an einen historischen Pressschlag erinnert, bei dem sich sein Gegenspieler nicht nur Schien- sondern auch Wadenbeinbrach brach. Die Reaktion unseres Mannes als wir ihm zumindest eine Entschuldigung nahelegten: »Nö! Das ist doch nicht meine Schuld, wenn der sich nicht ordentlich warmmacht.“

 

Ungefähr so stelle ich mir manchmal Sokratis Papasthathopoulos vor.

 

Obschon ihm dieser Vergleich nicht gerecht wird. Aus sportlicher Sicht – und aus sportsmännischer Sicht. Denn in 327 Pflichtspielen sammelte der Innenverteidiger nur 80 Gelbe Karten. Kein schlechter Schnitt auf seiner Position. Angst verbreitet er trotzdem.

 

Für mehr Breite im Dortmunder Kader

 

»Er ist fast ein bisschen besessen vom Verteidigen. Er will das Tor bis zum Schluss beschützen. Und er hat Lust, Zweikämpfe zu führen«, formuliert es Trainer Thomas Tuchel. Dessen Installierung als Trainer müsste Sokratis vor über einem Jahr als Erlösung vorgekommen sein. Im Sommer 2015 dachte er ernsthaft über einen Wechsel nach. »Mir hat die Wertschätzung gefehlt.«

 

Zwei Jahre zuvor war er mit Blick auf die internationalen Belastungen von Werder Bremen gekommen. In Dortmund hatte man schon lange vor dem verlorenen Champions-League-Finale begriffen, dass es für einen europäischen Spitzenverein dauerhaft mehr als elf taugliche Fußballer benötigt. Doch gerade im zweiten Jahr unter Jürgen Klopp strauchelte Sokratis. Nach einem auskurierten Wadenbeinbruch saß er in den entscheidenden Momenten nur auf der Bank – oder wechselte auf die Außenposition.

 

Sixth-Man-Award

Ein typisches Problem, wenn die Qualität der Mannschaft zu groß geworden ist, um jeden Spieler leistungsgerecht zu bedienen. Im Basketball würde ein Mann wie Sokratis jedes Jahr den »Sixth-Man-Award« abräumen. Starker Einfluss bei wenig Spielzeit. Beim Fußball spielt der sechste Mann – zumal als Verteidiger – jedoch gar nicht erst mit.

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