Warum sich niemand über den Zuschauerschwund bei RB Leipzig wundern sollte

Niemand braucht sich wundern

Medial und in der Fanszene gibt es andere Erklärungsversuche. Die späte Anstoßzeit um 21:05 Uhr zum Beispiel. Viele Fans kämen aus dem Umland, dann sei man ja erst gegen Mitternacht wieder zu Hause. In Köln oder Frankfurt würden Fans Nächte durchmachen, um ihren Klub im Europapokal-Achtelfinale zu sehen. Bei RB bleiben sie lieber zu Hause. Morgen ist ja schließlich wieder Arbeit.

Und auch Trainer Ralph Hasenhüttl findet Gründe: »Wir haben jetzt das vierte Heimspiel nacheinander, und dann noch ein Heimspiel zwischen denen gegen Dortmund und Bayern, die beide ausverkauft sind. Dazu läuft das Spiel unter der Woche noch im Free-TV.« Und schließlich konnte der normale Fan, der in Leipzig eben keinen Mitgliedsausweis hat, erst seit Montag Tickets kaufen. Die Bestellungen der etwa 20 »Vereinsmitglieder« von RB haben die Ticketing-Kapazitäten vorher vermutlich ausgereizt. Das kann schon mal passieren. Die organisierte Auswärtsfahrt nach St. Petersburg wurde im Übrigen bereits gecancelt. Nachfrage zu gering, Aufwand zu groß. Hm.

Niemand braucht sich wundern

Was bei der Suche nach den genauen Gründen – ob die gemütliche Couch, der späte Anstoß oder der kommenden Gegner aus München – tatsächlich verwundert, ist die krampfhafte Suche nach den Gründen. Denn die Frage ist nicht, weshalb das Spiel nur so wenige Menschen in der Stadt interessiert. Sie lautet viel eher: Wo sollen die 45.000 Menschen denn jede Woche herkommen, bei einer Mannschaft, die erst 2019 zehn Jahre alt wird? Sich darüber zu wundern, dass das Stadion gegen St. Petersburg nicht voll wird, ist fast ein bisschen niedlich. Aber wundern sollte sich niemand, nicht die Verantwortlichen und nicht die Fans. 

Genau wie in Hoffenheim fehlt auch bei RB Leipzig die tiefe Verankerung in der Region. Bis die Kinder, die (zumindest in der Theorie) begeistert mit dem Klub aufwachsen, alt genug sind, um nach 21:00 Uhr ins Stadion zu gehen, werden Jahre vergehen. Beziehungsweise könnte Red Bull dann längst weitergezogen sein. Und dass langsam auch das Laufpublikum wegbleibt, welches sich aus Neugierde mal ein Fußballspiel live anguckt, ist ebenfalls kein Rätsel. Sondern vollkommen logisch. 

Ja, Leipzig ist eine Fußballstadt. Leipzig ist Chemie, Leipzig ist Lok, Leipzig ist auch Roter Stern. Aber Leipzig ist nicht Red Bull. Das beweisen einmal mehr die Ticketverkäufe.