Warum sich niemand über den Zuschauerschwund bei RB Leipzig wundern sollte

Einsame Spitze

Heute spielt RB Leipzig im Achtelfinale des Europapokals – in einem vermutlich halb leeren Stadion. Trainer und Fans suchen nach Gründen für die fehlende Begeisterung in der Stadt. Dabei braucht sich niemand zu wundern. 

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Wenn RB Leipzig heute Abend Zenit St. Petersburg empfängt, ist es das größte Fußballspiel der Konzerngeschichte. Nach dem Durchmarsch in die Champions League im ersten Bundesligajahr, dem dritten Platz in der Gruppe und dem Weiterkommen gegen Neapel steht die Mannschaft im Achtelfinale des Europapokals.

Doch während deutschlandweit Anhänger von so einem Spiel träumen, wird die Leipziger Arena sich nur spärlich füllen. Angeblich waren bis gestern lediglich 18.000 Karten verkauft, pessimistische Schätzungen gehen von nur 10.000 aus. Bei einer Kapazität von 43.000 Zuschauern wären 18.000 Tickets rund 40 Prozent Auslastung. Von fünf Plätzen blieben drei leer. Zu Hause, im Europapokal-Achtelfinal-Hinspiel. Irgendwie unangenehm. 

Finden auch die Betreiber der Facebook-Seite »Südkurve Leipzig – Vorwärts Rasenball«. In einem mittlerweile gelöschten Post vom Dienstag schrieben sie: »Es muss in dieser Riesenstadt doch mehr als 10.000 RB-Leipzig-Fans geben, die ihre Mannschaft unterstützen wollen.« Und: »Gleich im ersten Jahr im internationalen Wettbewerb sowas und wir dachten immer, wir wollen es allen Kritikern zeigen und beweisen was Leipzig für eine Fußballstadt ist. So können wir uns irgendwo unterhalb von Wolfsburg einordnen. Es ist echt peinlich.«

Ist der Hype vorbei?

Kann man so sagen. Obwohl der Verein wegen des angeblich wenig attraktiven Gegners das Spiel in die unterste Kategorie einordnet, die Tickets also ab 15 Euro verfügbar und somit billiger als für die meisten Bundesligaspiele sind, bleibt vermutlich die Hälfte der Plätze leer. Kapitän Willi Orban sagt: »Das wird das nächste Highlight hier zu Hause.« Die Fans sehen das anders. 

An den Preisen kann es nicht liegen. Dennoch wird heute Abend auf den Rängen Tristesse herrschen. Wenn denn überhaupt irgendetwas herrscht, denn der Zuspruch ist historisch mies. Am vorletzten Spieltag gegen Köln waren 31.397 Zuschauer im Stadion. Die wenigsten seit dem Aufstieg in die Bundesliga. Was vielleicht auch mit dem ausbleibenden Erfolg der vergangenen Wochen zu tun haben könnte. Denn im Vergleich zur letzten Saison und gemessen an den Ansprüchen der Verantwortlichen läuft es dieses Jahr sportlich nicht rund für RB. In den vergangenen vier Pflichtspielen hagelte es drei Niederlagen, mehr als ein Unentschieden war nicht drin. Kamen zu den Spielen früher also tatsächlich vor allem Erfolgsfans?