Warum sich die Wut chinesischer Ultras auf Deutschland richtet

Die Macht vom Jangtsekiang

Der DFB hat die Freundschaftsspiele mit der chinesischen U20 in der Regionalliga Südwest ausgesetzt. Endlich Ruhe? Nein: Denn Chinas Ultras kritisieren jetzt geschlossen den deutschen Protest.

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Als die chinesischen Fußballtalente auf dem Kunstrasenplatz in Mainz aufliefen, waren sie nicht allein. 50 Fans standen hinter ihnen. Menschen aus der chinesischen Community des Rhein-Main-Gebiets hatten sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen und waren als fahnenschwenkende Auswärtsfans zur Premiere des deutsch-chinesischen Projekts angereist. Auf Ultras mussten die Chinesen verzichten. Was sowohl an der Entfernung - 7.814 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Peking und Mainz - oder den strengen Ausreisebestimmungen des DFB-Partners liegen könnte.

23 Gruppen gegen wen?

Verfolgt wird das Auftreten der U20-Talente im Heimatland trotzdem. Erst recht, seitdem sich die Fußballverbände aufgrund der tibetischen Proteste auf eine Aussetzung der Testspiele bis zum Jahresende verständigten. Weshalb chinesische Ultras in der vergangenen Woche ihrem Ärger Luft machten - und einen Schuldigen schon gefunden haben. »Chinese Ultras against ‚China U20 UItras Südwest!‘« wurde vor jedem Stadion der chinesischen Liga plakatiert. In den sozialen Netzwerken finden sich massenweise Fotos und Banner. Mindestens 23 Ultragruppen haben sich im Protest vereint. Nur: gegen wen?

Gegen deutsche Satire. »Das hat absurde Züge angenommen«, sagt Justus (27), einer der Mitbegründer der »China U20 Ultras Südwest«. Zusammen mit Freunden hatte er im Sommer eine Facebookseite ins Leben gerufen. Getarnt als Fangruppierung der chinesischen Gäste wollten sie auf die Missstände und Fehlentscheidungen im DFB aufmerksam machen. Mittlerweile verfolgen 13.823 Abonnenten die Idee, die mit Stickern wie »Free Regio« (in Tibetflaggen-Optik) und »Die Macht vom Jangtsekiang« auf sich aufmerksam macht.

Ein Pulverfass

»Das war im Sommer ein Pulverfass«, erinnert sich Justus, »angetrieben von den Diskussionen um die Regionalligen, das Sommerloch, und dann diese Kooperation zwischen DFB und China.« Er und seine Freunde seien von der Resonanz überrascht worden.