Warum sich die Türkei über eine Spülbürste aufregt

»Die Türken kommen nach Island«

Ob es sich um einen isländischen Journalisten handelt, der sich diesen Spaß erlaubte, ist immer noch unklar. Auch wenn man sich in der Türkei sofort auf die Suche machte. Denn im Land der aufgehenden Sonne findet man die Aktion alles andere als lustig. Die Türken machten die Behandlung ihrer Nationalspieler in Island zur Staatsaffäre.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu nannte den Umgang mit den Spielern auf Twitter  »inakzeptabel« und auch Fahrettin Altun, der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, meinte, es habe nichts mit sportlichem Verhalten oder diplomatischer Höflichkeit zu tun. »Ich verurteile die Behörden und Beamten, die für das, was passiert ist, verantwortlich waren«. Und damit nicht genug. Fazil Corman, der türkische Botzschafter in Norwegen, machte sich persönlich auf den Weg nach Reykjavik.

Auch Ömer Celik, türkischer Europaminister, schaltete sich in die Affäre ein: »Die Behörden sind für dieses unmenschliche und diplomatisch inakzeptable Verhalten verantwortlich. Was unserer Nationalmannschaft angetan wurde, war eine Art Gewalt. Islands Behörden sollten sich für diese 'primitive' Praxis entschuldigen und Schritte unternehmen, um diesen Fehler wieder gut zu machen.«

Auf Twitter im Trend

Platz eins der türkischen Twitter-Trends seit Sonntag ist »Arschloch Island«, auf Platz zwei: »Die Türken kommen nach Island« und auf Platz vier »Ich komme um deine Mutter zu ficken«. Laut den Inhalten der Tweets kommen die Türken nicht nach Island, um Vulkane und besondere Sternschnuppen zu genießen, sondern um Rache zu nehmen. Es ist vor allem der Mangel an Respekt, den die Türken »bemängeln«. Die türkischen Staatsbürger sprechen Drohungen, Beleidigungen oder Hasskommentare im Internet aus. Wegen einer 20cm langen, blauen Spülbürste.