Warum sich die Türkei über eine Spülbürste aufregt

Huh?

Wenn die Türkei heute Abend in Island antritt, werden sie nicht unbedingt mit Gastgeschenken auflaufen. Denn das halbe Land ist in Rage. Und das liegt vor allem an einer Spülbürste.

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Geysire, Polarlichter, endlose Landschaften. Sie haben keine Bodentruppen, keine Marine, keine Luftwaffen und 80% der Staatsbürger glauben an Elfen. Und spätestens seit der Europameisterschaft 2016 haben Halldorsson, Sigurdsson und Co. Sympathien auf dem ganzen Kontinent gesammelt – auch wegen dreier Buchstaben: »Huh«.

In der aktuellen Qualifikation für die Kontinentalmeisterschaft 2020 läuft es für die Isländer ganz passabel. Gegen Andorra und Albanien gewannen sie, gegen Frankreich setzte es eine 0:4 Auswärtspleite. Doch seit der Auslosung war den Wikingern klar, dass sie wohl mit der Türkei um Platz zwei in Gruppe H spielen würden. Und heute Abend sind die Türken, die vergangen Samstag den amtierenden Weltmeister 2:0 schlugen, zu Gast. Eine Fan-Freundschaft wird es zwischen den beiden Nationen spätestens seit Sonntag nicht mehr geben. Denn plötzlich denken sich die Isländer: »Huh, was ist denn hier los?« Denn es sind zwei Dinge, die viele Türken erzürnt: Lange Wartezeiten und eine Spülbürste.

Die Spülbürste von Reykjavik 

Von Konya aus machte sich die türkische Nationalmannschaft auf den Weg. Das Wetter war angenehm, die Stimmung war gut. Merih Demiral, Nazim Sangaré oder Abdülkadir Ömür posierten ausgelassen für den Instagram-Account der türkischen Nationalmannschaft. Doch mit der Ankunft in Reykjavik kippte nicht nur das Wetter, sondern auch die Stimmung der türkischen Delegation. Die staatliche Nachrichtenagentur »Anadolu« berichtete, dass die Mannschaft rund zwei Stunden an der Passkontrolle anstand und sich zudem noch zusätzlicher Sicherheitskontrollen unterziehen musste. Sichtlich genervt durften die Fußball-Stars dann nach einer unangenehmen Wartezeit durch die Kontrollen gehen. Und dort warteten die Journalisten. Wie es im modernen Journalismus üblich ist, steht keiner von ihnen mehr mit Notizblock oder Stift und Papier neben den Spielern. Auch um den türkischen Kapitän Emre Belozgülü erschienen Kameras, Smartphones und Aufnahmegeräte. Aber auch: Eine Spülbürste.