Warum sich der DFB in der Kaderfrage ertappt fühlt

Von Pannen und Rasselbällen

Eigentlich wollte der DFB am Rande des Trainingslagers seinen Beitrag zur Inklusion leisten. Doch dann gibt es Wirbel um ein Teamposter. 

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Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) kann man ja einiges unter die Weste jubeln. Etwa, im dritten Jahrtausend immer noch ein reiner Männer-Bund zu sein, oder bei der Vergabe eines wirtschaftlich wie politisch vorteilhaften Turniers 2006 finanziell ein wenig nachgeholfen zu haben. Was aber nicht geht, dass der DFB als größter Sportverband des Landes, ja sogar der Welt, das Thema Inklusion nicht ernst nehmen würde. Am Donnerstag nun ließen sich in Südtirol dafür zwei anschauliche Beispiele finden.

Wechselhafter Erfolg

Die deutsche Nationalmannschaft hatte eine kleine Delegation der Blindenfußball-Nationalmannschaft zu Gast. Allen voran deren Kapitän Alexander Fangmann vom MTV Stuttgart. Seit 2008 spielt er in der nationalen Liga für Blinde und Sehgeschädigte, die wiederum seit ihrer Gründung durch die Sepp-Herberger-Stiftung des DFB finanziert wird und inzwischen ihre Spieltage in Citylagen großer deutscher Städte wie Berlin, Frankfurt und Hamburg abhält.

Bevor Fangmann mit seinen Mitspielern am Freitag zu einer Länderspielreise ins WM-Land Russland aufbricht, kam es am Donnerstagmittag zu einem kleinen Kick für die zahlreichen Kameras mit den Weltmeistern Thomas Müller und Matthias Ginter, die sich nach einer Einführung die Dunkelbrillen aufsetzten und gegen den Rasselball traten. Mit - sagen wir - wechselhaftem Erfolg.

Während Müller, den man DFB-intern wegen seiner unkompliziert-positiven Art ein Geschenk des Himmels nennt, seinen zweiten Sechsmeter-Strafstoß gegen den sehenden Torwart verwandelte, sprach Ginter hinterher vom allergrößten Respekt und »ehrlicherweise« davon, selbst »nicht so viel auf die Reihe bekommen« zu haben.

»Das muss eine Panne sein«

Selbiges ließe sich auch behaupten von einer Aktion, die wenig später die Gemüter im riesigen Pressezelt nebenan etwas in Wallung brachte. In einer Mischung aus generalstabsmäßig geplanter Marketingversessenheit und abenteuerlicher Tollpatschigkeit war am Donnerstagvormittag auf der Internetseite des DFB ein Poster mit den Bildern der 23 WM-Fahrer erschienen, das, dem Thema des Tages Inklusion gehorchend, mit Gebärdensprache angereichert war. Die Frage aus der Medienrunde, ob die Entscheidung bereits gefallen sei, welche vier Spieler des vorläufigen Kaders aussortiert werden, oder ob es nur eine Panne sei, brachte Oliver Bierhoff kurz auf die Palme. »Das muss eine Panne sein«, sagte der Manager des Nationalteams. »Das darf nicht passieren, das macht mich sauer.

Die Medienabteilung des Verbandes war hinterher händeringend bemüht, den Sachverhalt in dessen Sinne zu erklären. Bei dem Poster handele es sich um ein Projekt der »Aktion Mensch«, das vor Wochen realisiert wurde und daher »keinen Vorgriff« auf die Entscheidung des Bundestrainers am Montag darstelle.

Missgeschick?

Bierhoffs erste Reaktion überraschte insofern, als er eigentlich informiert sein müsste über solcherlei Aktionen. Vielleicht aber war er in diesem Moment einfach nicht recht im Bilde. Oder fühlte er sich etwa ertappt? Die vier Spieler, die nicht mit auf dem WM-Poster sind, stehen durchaus im Verdacht, den finalen Cut des Bundestrainers zum Opfer zu fallen. Es sind die Herren Kevin Trapp als vierter Torwart sowie Jonathan Tah, Sebastian Rudy und Nils Petersen.

Man kann der Argumentation der DFB-Medienabteilung durchaus Glauben schenken, hier nicht unkorrekt oder gar in böser Absicht gehandelt zu haben. Doch der Eindruck von einer gewissen Ungeschicklichkeit in der Außendarstellung könnte bei dem einen oder anderen hängen bleiben.