Warum sich der BVB vor Atalanta Bergamo in Acht nehmen muss

Zeigt Gomez den »Papu Dance«?

In der vergangenen Spielzeit konnte Bergamo erstmals wieder das Ticket für das internationale Geschäft lösen. Als Vierter mit 72 Punkten erreichte Atalanta zudem die beste Serie-A-Platzierung in seiner bald 111-jährigen Vereinshistorie. Mit Franck Kessié, Daniele Conti (beide zum AC Mailand), Alberto Grassi (Neapel) und Jung-Nationalspieler Roberto Gagliardini (Inter Mailand) verlor Bergamo daraufhin vier Talente an die nationale Konkurrenz. Für Top-Talent Mattia Caldara (23) erhielt Meister Juventus Turin den Zuschlag, der Innenverteidiger ist aber noch bis Saisonende ausgeliehen.

Neben Caldara gehören der ebenfalls von Juve umworbene Außenverteidiger Leonardo Spinazzola (24), Mittelfeldmann Bryan Cristante (22) und U-21-Nationalspieler Riccardo Orsolini (20) zu jenen Talenten, die schon in naher Zukunft an die kriselnde A-Nationalmannschaft Italiens herangeführt werden sollen.

Zeigt Gomez den »Papu Dance«?

Geht es für Atalanta also weiter wie bisher oder schafft es der Verein, den Status als reinen Ausbildungsklub abzuschütteln? Die bisherigen Auftritte in der Europa League sprechen eindeutig für eine Zeitenwende. Die Gruppenphase überstand Bergamo ungeschlagen – die Favoriten FC Everton (3:0, 5:1) und Olympique Lyon (1:1, 1:0) hatten das Nachsehen. Die Euphorie vor den K.o.-Duellen gegen Borussia Dortmund könnte größer kaum sein. »Internationale Erfolge sind etwas, das wir Spieler uns auf die Fahne schreiben können. Wir wollen uns beweisen und so weit wie möglich kommen«, stellt Gosens klar.

Als Führungsspieler im Team von Trainer Gian Piero Gasperini (Robin Gosens: »Ein klassischer italienischer Fußballlehrer, der 24 Stunden an Fußball denkt und jeden Einzelnen besser machen will«), macht der deutsche Serie-A-Legionär Abwehrboss Andrea Masiello (32) und den slowenischen Nationalspieler Josip Ilicic (30) aus. Und dann wäre da noch Alejandro »Papu« Gomez – jener Torjäger, der über Bergamo den Sprung in die argentinische Nationalmannschaft geschafft hat. »Er ist der Mann, der unsere Spiele entscheidet, er hat die Qualitäten dazu und versucht auch neben dem Platz, alle mitzureißen«, berichtet Gosens.

Dem in den sozialen Netzwerken so aktiven wie populären Gomez wurde in Italien in Anlehnung an seinen Torjubel – den »Papu Dance« – sogar ein Song (»Baila como el papu«) gewidmet. Die Einnahmen spendet der Argentinier für wohltätige Zwecke. 



»Ich kann mich nicht daran erinnern«

Am Donnerstag feiert »El Papu« seinen 30. Geburtstag. »Vielleicht stoßen wir ja hinterher an«, sagt Gosens augenzwinkernd. Für den gebürtigen Emmericher ist die Partie in Dortmund ein »spezielles Spiel«, wie er sagt. Als A-Junior wurde er einst zu einem Probetraining bei den Borussen eingeladen. »Da lagen fünf, sechs Welten zwischen meinem Niveau und dem der BVB-Jungs«, erklärt der 23-Jährige, der hinterher so ernüchtert heimfuhr, dass er nicht einmal mehr weiß, mit wem er damals eigentlich auf dem Platz stand. »Das wurde ich schon oft gefragt. Ich kann mich aber wirklich nicht mehr daran erinnern«, meint der linke Außenverteidiger und lacht.

Die eingangs gestellte Frage, wie Gosens (13 Pflichtspiele/ein Tor) in der Serie A landen konnte, beantwortet uns Rhedes Jugend-Geschäftsführer Bölting am Telefon übrigens so: »Robin ist eine ehrliche Haut und immer bodenständig geblieben. Ein Junge aus einem guten Elternhaus, das die sportliche Situation des Sohnes immer realistisch eingeschätzt. Er hat viele Opfer vollbracht, um dort hinzukommen, wo er jetzt steht.« Es klingt ein wenig nach dem, was es braucht, um bei Atalanta Bergamo durchzustarten.