Warum sich BVB-Fans für ihren RB-Protest schämen sollten

Nichts verstanden

Lautstarker Protest gegen das Konstrukt RB Leipzig ist wichtig. Was sich jedoch am Samstag in Dortmund abspielte, war einfach nur peinlich.

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Wie konnte es nur soweit kommen? Das dürften sich heute einige rund um das Westfalenstadion fragen. Zumindest kann man das hoffen, denn es ist kaum davon auszugehen, dass alle 24.454 Fans, die in der Regel die Südtribüne bevölkern, hinter der gewählten Protestform gegen RB Leipzig stehen. Und dennoch müssen sich alle dafür schämen, was passiert ist.

Stumpf und pubertär

In der Vergangenheit ist die Süd zurecht als Herzstück der hiesigen Fankultur angesehen worden. Immer wieder schafften es die Fans, durch Empathie und Kreativität auf kritische Situationen zu reagieren. Ihr Support für die eigenen Mannschaft ist ohnehin einmalig. Doch die Plakataktion beim Spiel gegen Leipzig war weit von dem entfernt, was die Dortmunder Fanszene eigentlich zu leisten in der Lage ist. Sie war stumpf, pubertär und in Teilen gar gewaltverherrlichend. Und damit ein Schuss ins Knie für jene Protestbewegung, die sich seit Anfang der Saison nahezu durch die ganze Liga zieht und gegen den Verein RB Leipzig richtet.

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Weil diese Protestform eben nicht die Struktur und Idee von RB angriff, sondern reale Menschen. Weil sie mit Plakaten zum Wurf von Pflastersteinen gegen Fans aufriefen. Weil sie mitunter noch widerlicher waren, gar Wortspiele mit Behinderungen und Aufrufe zum Suizid enthielten. Man mag anbringen, dass der Sound unter Fans eben rau ist. Aber man darf auch erwidern, dass es Grenzen des guten Geschmacks gibt. Und das die, die diesen Protest zu verantworten haben, nichts verstanden haben. 

Ein unsäglicher Abend

Dass zudem einige Hohlköpfe rund um das Spiel eine Hetzjagd auf Leipzig-Anhänger veranstalteten, sie mit Steinen und Flaschen bewarfen – egal ob es Halbstarke, Frauen oder Kinder waren – ist ein weiterer Tiefpunkt dieses, aus Fanperspektive, unsäglichen Abends. An dessen Ende zehn Leipzig-Anhänger und vier Polizisten im Krankenhaus behandelt werden mussten. 

Ein Schuss ins Knie

Bedauerlich ist, dass nun eine ganze Fanszene am Pranger stehen wird. Doch vielleicht wird es helfen, in Dortmund ein Umdenken zu fördern. das hilft, sich seiner Macht und seiner Stärken bewusst zu werden. Und den Mut hervorbringt, konsequenter gegen die Idioten in den eigenen Reihen vorzugehen.

Noch bedauerlicher ist aber, dass die sachliche Kritik am Konstrukt RB Leipzig in der öffentlichen Wahrnehmung durch die Ereignisse in den Hintergrund rücken wird. Obwohl sie notwendig und wichtig ist.

Und obwohl sie die ohrenbetäubende Lautstärke und symbolische Kraft der Südtribüne dringend benötigt hätte.