Warum Sebastian Rudy uns in München alle überrascht

Welches Team kann auf so einen verzichten?

Ein Jahr später durfte man Bobic getrost als absoluten Depp bezeichnen. Denn gleich in seiner ersten Saison in Hoffenheim wurde Rudy zum unumstrittenen Stammspieler und zentralen Mittelfeldmann in Hoffenheim. Was allerdings kaum jemand mitbekam, schließlich war es Hoffenheim, ein Klub, im Jahr 2011 geparkt jenseits von gut und böse und grau wie die Haare von Thomas Gottschalk längst sein müssten.

Ein Umstand, der dem jungen und ruhigen Rudy allerdings in die Karten spielte. Denn so konnte er sich in Ruhe entwickeln. Wurde, während gehypte Altersgenossen wie Kroos oder Gündogan mit Karacho durch die Decke gingen, gemächlich vom Stamm- zum Führungsspieler, dann vom Führungs- zum Nationalspieler und schließlich, im siebten Jahr in Hoffenheim und unter Julian Nagelsmann, zum Kapitän. 

Auch, weil er sich da längst zu einem der intelligentesten Spieler der Liga gemausert hatte. Weil er sich angewöhnte, nie die Ruhe zu verlieren. Weil er spätestens seit letztem Jahr immer genau zu wissen scheint, was er im nächsten Moment Sinnvolles machen sollte. Weil nichts in seinem Spiel zufällig wirkt.

Welches Team kann auf so einen verzichten?

Das macht seine Auftritte naturgemäß weniger spektakulär als die von anderen zentralen Mittelfeldspielern, aber das macht sie eben auch so wichtig für so ziemlich jede Mannschaft der Welt. Denn welches Team kann im modernen Fußball - von allen Beteiligten rasant vorgetragen wie nie zuvor - auf einen Spieler verzichten, der nie den Überblick verliert? 

Keines. Nicht mal die Bayern. Die deswegen auch noch vergangene Saison einen 35-jährigen Xabi Alonso - langsam, behäbig und längst nicht mehr so spritzig wie seine Kollegen - lieber auf dem Platz als auf der Bank arbeiten ließen. Und die deswegen einen so cleveren wie unterschätzen Deal einfädelten, als die Rudy ablösefrei an die Säbener Straße lockten. Denn genau wie Alonso ist Rudy ein Stratege. Einer, der es seinen Mitspieler einfacher macht. Ein Trainierliebling.

Und, das zeigte er im Spiel gegen Schalke genau wie im Sommer in der Nationalmannschaft, Sebastian Rudy ist einer, der sich jedem Niveau anpassen kann. Was dafür sorgte, dass er in Hoffenheim meist unter dem Radar flog. Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass Sebastian Rudy schon bald Weltklasse verkörpern könnte.