Warum Sebastian Rudy uns in München alle überrascht

Rudy, Rudy, Rudy, Rudy!

Als die Bayern seine Verpflichtung bekannt gaben, haben auch wir ein bisschen zu selbstgefällig geschmunzelt. Höchste Zeit also, sich bei Sebastian Rudy zu entschuldigen. Und ihn als das anzuerkennen, was er ist: Bayerns neuer Chefstratege.

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Fußball ohne Floskeln ist wie Fußball ohne hysterische Bild-Kampagnen: wünschenswert, aber unvorstellbar. So spricht alle Welt andauernd vom Momentum, das genutzt werden müsse, vom nächsten Spiel, das sowieso immer das wichtigste sei und von Männern, die unterm Radar fliegen. Und wenn man all die Männer, die - darum geht es ja meist - vollkommen zu Unrecht unterm Radar fliegen, sammelte, das Getummel unter diesem Radar müsste gewaltig sein. Denn wer flog da nicht schon alles herum?

Die neuen Messis, die einst ganz groß rauskommen würden. Die ganzen anderen neuen Messis, die sogar noch besser werden würden. Dazu die Geheimtipps, die technisch hervorragenden Sechser aus der zweiten argentinischen Liga, die, das haben eben nur Auskenner auf dem Radar, ebenfalls eines Tages aus dem Schatten ins Licht träten. Außerdem seit ein paar Jahren stets dabei in diesem Kuddelmuddel: Sebastian Rudy. 



Macht er die Bayern auf Sicht sogar besser?

Der für diesen holprigen Texteinstieg nichts kann, der aber spätestens seit gestern Abend, als er gegen Schalke und für die Bayern auf dem Platz stand, auch uns Fachmännern für gefährliches Halbwissen endlich auf die Sprünge half. Denn wer ihn auf Schalke und im Sommer und überhaupt in den letzten Monaten spielen sah, der muss zu genau einer Erkenntnis kommen: Sebastian Rudy ist ein fantastischer Fußballer. 



Ein Fußballer, der messerscharfe Pässe spielen kann, aber manchmal, wenn es denn sein muss, auch Tempo aus dem Spiel nimmt. Ein Spieler, der sich mit winzigen Arschwacklern immer genau den Platz verschafft, den er für die nächste Aktion benötigt. Und der uns auch wegen all der Löcher, die er für seine Mitspieler stopft, nach Jahren endlich dazu gebracht hat, das echten Experten wahrscheinlich so Offensichtliche zu akzeptieren: Dass die Bayern diesen Mann nicht zufällig verpflichteten. Weil, auch diesen Satz hätten wir uns vor einem Jahr selbst nicht geglaubt, er den Rekordmeister auf Sicht sogar besser machen könnte.

»Wenn Rudy in Hoffenheim explodiert, dann sind wir die absoluten Deppen.«



Dabei hätte er eigentlich einen anderen Klub besser machen sollen: »Sebastian Rudy wird bei uns eine sehr gute Karriere hinlegen«, sagte Horst Heldt der Stuttgarter Zeitung im November 2008, damals in seiner Funktion als Sportdirektor des VfB Stuttgart. Doch statt bei seinem Heimatverein zu bleiben, trieb es den jungen Rudy schon früh, 2010, nach grade mal 15 Einsätzen für die Profimannschaft, in die Arme von Ralf Rangnick nach Hoffenheim.

Für vier Millionen wechselte er zum Dorfklub in den Kraichgau, wohl auch, weil sie ihm den ganz großen Sprung in Stuttgart nicht so richtig zutrauten. Oder um es mit den Worten von Fredi Bobic, Heldts Nachfolger als VfB-Manager, zu sagen: »Wenn Rudy in Hoffenheim explodiert, dann sind wir hier die absoluten Deppen.«




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