Warum Sebastián Abreu noch immer unser Lieblingsstürmer ist

Livin’ La Vida Loco

Der chilenische Klub Audax Italiano ist Sebastián »El Loco« Abreus 26. Profi-Station. Tore schießt der Angreifer aus Uruguay dort keine. Dafür wirft er mit Tischen.

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WM-Viertelfinale 2010, Ghana gegen Uruguay. Die zottelige Jesus-Mähne fällt Sebastián Abreu schwer über die breiten Schultern, als er sich den Ball auf den Elfmeterpunkt legt. Der finale Akt in einem der dramatischsten Viertelfinals der Fußballgeschichte gehört nicht Luis Suárez, Edinson Cavani oder Diego Forlan, sondern einem 33-jährigen Wandervogel, der beim brasilianischen Erstligisten Botafogo sein Geld verdient.

Abreu läuft an, den Blick starr auf den Ball gerichtet. Es ist ihm egal, für welche Ecke sich der ghanaische Torwart Richard Kingson entscheidet. Wichtig ist nur, dass er sich entscheidet. Denn »El Loco« lupft das Leder wie in Zeitlupe in die Tormitte: Panenka, Zidane, Abreu.

Lupfer mit System

Was damals für ein Millionenpublikum wie Größenwahn aussah, war in Wirklichkeit Routine. Der kantige 1,93-Bulle hat in seiner Karriere mehr als einmal vom Elfmeterpunkt zum gefühlvollen Heber angesetzt. Bereits 2007 verlud Abreu in der Copa America den brasilianischen Keeper Doni mit der riskantesten aller Strafstoßvarianten.

Was wie Leichtsinn aussah, war in Wirklichkeit die wohlüberlegte Entscheidung eines messerscharfen Beobachters. »Ich hatte mir Ghanas Torwart genau angeschaut und seine Bewegungsabläufe studiert«, erklärte Abreu später seinen denkwürdigen Türöffner zum Halbfinale.

Von den eigenen Fans verspottet

Seit der WM in Südafrika sind acht Jahre vergangen. Wenn Uruguay im Sommer in der Gruppe A auf Ägypten, Russland und Saudi-Arabien trifft, wird man den Namen »Abreu« auf der Kaderliste der Celeste vergeblich suchen. Allerdings nicht, weil der inzwischen 41-Jährige die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat. Abreu spielt noch. Und wie.

Nach zehn Partien für den chilenischen Erstligisten Audax Italiano wartet »El Loco« immer noch auf seine erste Torbeteiligung. Auch den Fans missfällt die maue Quote ihres Sturm-Veteranen. So sehr, dass sie ihn beim 0:0-Unentschieden gegen Antofagasta mit hämischen Gesängen bedachten. Abreu hatte eine Vielzahl an besten Gelegenheiten ausgelassen.