Warum Scolari bei Chelsea scheiterte

Love is gone

Anfangs passte alles: Als Luiz Felipe Scolari kam, war er Trainerfuchs und Stardompteur – genau der Richtige für das Erbe Mourinhos. Jetzt ist es aus. Warum passte nicht zusammen, was zusammen zu passen schien? Warum Scolari bei Chelsea scheiterteImago Um beim FC Chelsea als Trainer zu bestehen, muss man abgezockt sein – verdammt abgezockt. Selbst ein Clint Eastwood hätte zu besten »Für eine Handvoll Dollar«-Zeiten Schwierigkeiten gehabt, beim Londoner FC Hollywood seine Feinde zu erkennen. Mit Luiz Felipe Scolari hat der Hauptstadtklub den nächsten großen Trainer verschlissen. Didier Drogba kündigte für das Jahr 2009 zwar »Überraschungen« an, doch ob er das damit meinte? Schließlich kam Scolaris Rauswurf nicht ganz unerwartet. Seit Wochen rumorte es im Kreise der Mannschaft: geheime Absprachen wurden getroffen, Intrigen gesponnen, Machtspiele betrieben. In englischen Medien war bereits – gewohnt martialisch – die Rede von »sich bekriegenden Mannschaftsteilen«. Angesichts der Lautstärke dieser Vorgänge sowie der sportlichen Leistungen des Teams machte die britische Zeitung »Mirror« Scolari bereits zu einem »dead man walking«.

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Vor sieben Monaten hatte der Brasilianer die Mannschaft übernommen. Von der Klubführung hieß es, Scolari sei fähig, »das Beste aus einer talentierten Mannschaft herauszuholen.« Momentan äußert sich »das Beste« in Platz vier, sieben Punkte hinter Spitzenreiter ManU, und in wüsten Schuldzuweisungen. So zitiert die britische Boulevardzeitung »The Sun« Scolari mit den Worten: »Ballack, Cech und Drogba wurden meine Feinde. Sie haben einen Draht zu Abramowitsch.« Das Trio soll bei einem Treffen mit dem russischen Klub-Besitzer Stimmung gegen den Trainer gemacht haben. Doch Cech und Ballack wiesen die Vorwürfe bereits zurück.  Auch Lampard und Terry werden als Mitverantwortliche gehandelt, da sie das Training von Scolari kritisierten. Allerdings gab Terry zu verstehen, dass er es als Kapitän als seine Aufgabe verstehe, solche Themen anzusprechen. Er  habe mit Scolari keinen Machtkampf ausfechten, sondern nur das Training verbessern wollen. So erklärte er »The Sun«: »Ich bin geschockt darüber, was passiert ist. Scolari war sich immer meiner Unterstützung sicher.« Dessen bewusst, gab Scolari im Vorfeld an, dass er Lampard und Terry vertraue.

Partymätzchen und taktische Fehlgriffe


Der brasilianische Coach hatte es sich mit einigen der verdienten Spieler verscherzt, setzte er sich doch zum Ziel, den Kader zu verjüngen. Scolaris Sprecher Acaz Felleger redete von einer  ganzen »Gruppe alter Spieler«, die Grund für die Verjüngungspläne seien. Scolari wurde immer wieder aus den eigenen Reihen befeuert. Didier Drogba kritisierte öffentlich, dass der Trainer ihn nicht neben Nicolas Anelka spielen ließ. Anelka weigerte sich, auf der linken Außenbahn zu spielen, aus Mannschaftskreisen sollen Decos Partymätzchen an die Öffentlichkeit getragen worden sein. All das schwächte den Trainer. Hinzu kamen taktische Fehlgriffe: Mit seiner bevorzugten 4-5-1-Taktik ging sein Team zuletzt gegen ManU mit 0:3 unter. Nach dem Spiel sah sich Scolari gezwungen, in der Defensive von der Mann- zurück zur Raumdeckung zu wechseln.

Als Scolari noch Brasilien und später Portugal coachte, saßen seine taktischen Kniffe. Er formte Mannschaften, die in der Defensive kompakt standen, technisch brillierten und Spiele mit kontrollierten Tempovorstößen für sich entschieden. In London blieb dieser Erfolg aus. Nach enttäuschendem Saisonverlauf kündigte ihm Roman Abramowitsch höchst persönlich. Zuvor hatte Scolari bereits angekündigt: »Ich kümmere mich nicht darum. Wenn ich meinen Job verliere, bekomme ich einen anderen.«

Seinen Job übernimmt jetzt Guus Hiddink. Damit hat er bis zum Saisonende als Trainer der russischen Nationalmannschaft und des FC Chelsea eine Doppelrolle zu bewältigen. Eine langfristige Lösung will sein neuer Arbeitgeber gegen Ende der Spielzeit präsentieren. Zu Hiddink lässt sich derselbe Satz sagen, den die Klubführung der »Blues« bereits zu Scolari gefunden hat: Er ist fähig, »das Beste aus einer talentierten Mannschaft herauszuholen.« Das bewies er in den vergangenen Jahren beim PSV Eindhoven sowie als Nationaltrainer von Südkorea, Australien und Russland. Die von ihm trainierten Mannschaften zeigten sich immer wieder enorm laufstark und taktisch diszipliniert. Auf diese Grundtugenden gilt es jetzt das Londoner Starensemble wieder einzustimmen.