Warum Schmadtkes Wolfsburg-Wechsel schmerzt

Was die größere Leistung gewesen wäre

Und dann ist alles ganz anders. Anders als man das je für möglich gehalten hätte. Denn plötzlich finde ich Jörg Schmadtke ein bisschen doof. Weil er zum VfL Wolfsburg geht. Einem dieser Synonyme für seelenlosen Fußball. Es ist gar nicht nötig, oder zielführend, ein Ranking des seelenlosen Fußballs aufzustellen. Es reicht, zu befinden, dass das, was der Eigner und Sponsor Volkswagen da veranstaltet, dass das, was in Wolfsburg an Stimmungs- und Leidenschaftspotential in der Welt steht, eher Richtung »bäh« geht für »Fußballromantiker« wie mich.

Mir fällt schwer zu verstehen, warum jemand wie Jörg Schmadtke, den ich immer so sympathisch fand, obwohl ich ihn doof finden müsste, zu einem Verein wie Wolfsburg geht. Weil ich denke, dass jemand, der mir so sympathisch war, obwohl ich ihn doof finden müsste, mir doch ähnlich sein sollte. Weil ich denke, dass er dann meine Ideale und Ansichten teilen müsste. Und ich, ich würde niemals zum VfL Wolfsburg gehen.

Der Rest ist Schweigen



Und welche Argumente sollten einem schon einfallen für diesen Wechsel Schmadtkes? Er wird gut verdienen in Wolfsburg. Er wird über Möglichkeiten verfügen, wie auf keiner seiner Stationen zuvor. Er hat, keine allzu kühne These, nun also bald alles zur Hand, um sportlich die Champions League-Teilnahme und womöglich sogar die Meisterschaft anzupeilen. Wer so maßgeblich mitgeholfen hat, aus Aachen, Hannover und Köln Europapokalteilnehmer zu machen, sollte dazu durchaus in der Lage sein. In den vergangenen zehn Jahren haben schließlich nur die Bayern (353 Millionen Euro Minus) und RB Leipzig (166 Millionen Euro Minus) eine schlechtere Transferbilanz als der VfL (127 Millionen Euro Minus; Quelle: transfermarkt.de).



Sollte es ihm gelingen, so wäre die Leistung rein sportlich keinen Deut weniger wert als alles, was ihm zuvor gelungen ist. Und dann? Zollen ihm die Experten den gebührenden Respekt, feiert ihn die Volkswagen-Vorstandsriege und die dann sicher wieder ausverkaufte VfL-Arena. Der Rest ist Schweigen.

Ich werde dem Treiben dann zusehen, und ich bin mir sicher, mit mir Millionen, und wir werden denken: Naja. Und dass ich Jörg Schmadtke mal sehr sympathisch fand, obwohl ich ihn hätte doof finden müssen. Und dass mir Jörg Schmadtke jetzt einfach nur egal ist, dass ich seinen Erfolg einfach so hinnehme, so wie den Klub, dem er zugehört. Und wie schade das ist. Denn dass man jemanden super findet, den man eigentlich doof finden müsste, kommt nicht so oft vor. Und ist die vielleicht größere Leistung, als mit dem VfL Wolfsburg in der Champions League zu spielen.