Warum Santiago Ascacíbar für Stuttgart so wichtig ist

Der Löwe kann schwimmen

Santiago Ascacíbar ist Stuttgarts Rekordtransfer – und trotz seines Alters bereits die zentrale Figur im Mittelfeld des VfB. Ein Blick auf die Daten verrät, was den Argentinier so besonders macht.

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Vor jedem Spieltag stellen wir euch einen Bundesligaspieler vor, der nicht immer im Rampenlicht steht und trotzdem eine entscheidende Rolle für seine Mannschaft spielt. Ob wir damit tatsächlich Recht behalten, seht ihr samstags ab 15 Uhr in unserer großen Bundesliga-Konferenz auf www.konferenz.11freunde.de.

Es waren schaurige Bilder, die am vierten Spieltag aus der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart die Bundesliga schockten: Der Wolfsburger Torwart Coen Casteels, wie er mit angewinkeltem Knie auf Kopfhöhe durch seinen Strafraum fliegt. Der Stuttgarter Kapitän Christian Gentner, den Blick auf die heranrauschende Kniescheibe gerichtet, wissend, was gleich passieren wird, aber ohne jede Chance es zu verhindern. 

Der Einschlag von Casteels’ Knie in Gentners Gesicht einer Abrissbirne gleich, Gentners herumschleudernder Kopf, der Stuttgarter benommen am Boden, dann auf der Trage der herbeigeeilten Sanitäter, die ihn vom Platz transportieren.

Ein beklemmender Anblick für alle Anwsenden, erst recht für Gentners Partner im Stuttgarter defensiven Mittelfeld: Der erst 20-jährige Santiago Ascacíbar gab an jenem Samstagnachmittag sein Startelf-Debüt für den VfB. An der Seite des Routiniers sollte er sich einfinden, entwickeln, aufgebaut werden. Dann raubte ihm Casteels’ Knie den Partner. 

Mit 18 Stammspieler, mit 20 Rekordtransfer

Doch Ascacíbar, der erst am Spieltag zuvor überhaupt das erste Mal für Stuttgart auflief, ließ sich nicht beirren. Als alleiniger Sechser (der VfB hatte zum Zeitpunkt von Gentners Verletzung bereits drei Mal gewechselt) brachte er mit seiner Mannschaft den 1:0-Sieg über die Zeit und zeigte insgesamt eine starke Leistung. 

Stark genug für VfB-Trainer Hannes Wolf, um ihn auch in den nächsten Spielen von Beginn an zu bringen und durchspielen zu lassen. Nur bei der Niederlage in Frankfurt nahm er seinen neuen Sechser vorzeitig vom Feld. Da hatte der junge Argentinier allerdings auch schon in der 33. Minute Gelb gesehen.

Allerdings kam Ascacíbar auch mit reichlich Vorschusslorbeeren ins Ländle: Kapitän der U20 Argentiniens, mit 18 bereits unangefochtener Stammspieler bei Estudiantes de la Plata, überzeugend in Zweikampfführung und Spieleröffnung. Acht Scouts beobachteten ihn laut Sportdirektor Michael Reschke vor dem fast acht Millionen Euro schweren Sommertransfer. Die Summe machte den 20-jährigen zum neuen Stuttgarter Rekordeinkauf. Fragt sich eigentlich nur, wieso kein – verzeiht, VfB-Fans – größerer Klub ihn holte.