Warum Sandro Wagner zur WM hätte fahren sollen

Warum Wagner eine Nominierung verdient gehabt hätte

Zwölf Tore schoss Sandro Wagner in dieser Saison für Hoffenheim und die Bayern. Das sind zwar weniger Treffer als Nils Petersen, Mark Uth, Niklas Füllkrug, Kevin Volland und Timo Werner erzielt haben. Allerdings spielte Wagner nur 1,593 Bundesliga-Minuten und damit knapp eintausend Minuten weniger als seine Konkurrenten. Und er schoss nur ein Elfmetertor (Petersen: Fünf). Mit fünf Toren erzielte Wagner zudem die meisten Treffer der deutschen Nationalmannschaft während der WM-Qualifikation.

Es ist schwierig, die Leistungen miteinander zu vergleichen, denn Wagner erhielt in den wenigen Minuten durchschnittlich mehr Chancen, weil er eben bei den Bayern spielt. Und von den fünf Toren für die DFB-Elf schoss er drei gegen San Marino, jeweils eins gegen Nordirland und Aserbaidschan. Wäre ein Nils Petersen schlechter gewesen? Besser? Alles Hypotenuse. Doch einen Vorteil hat Wagner. Im letzten halben Jahr hat er gelernt, wie er sich als großgewachsener Stürmer im Klein-Klein des FC Bayern bewegen muss, wie er Lücken für andere reißt und trotzdem torgefährlich bleibt.

Was ihm wichtig ist

Sandro Wagner gilt als sensibler Mensch. Offen gestand er im Interview, dass er ein Heimscheißer sei. Einer, der nicht nach China wechseln wolle, weil daheim die Frau, zwei Kinder, der Hund warten - und ein paar Schildkröten. Er sagt: »Ob mir jemand vertraut oder nicht, könnte mir doch eigentlich egal sein. Das passt nicht zusammen mit meinem sonstigen Ego. Aber es ist mir wichtig.«

Ja, Sandro Wagner hat in den letzten Monaten einiges riskiert, um seinen Traum von der WM zu erfüllen. Er hat das immer klar kommuniziert. Im nächsten Jahr droht ihm hinter Robert Lewandowski ein Platz auf der Bank beim FC Bayern.

Märchen ohne Happy End

Wagner hat eine gehörige Entwicklung hinter sich. Vom abgelegenen Trainingsplatz in Berlin zur Nationalmannschaft. Wer hätte nicht gern gesehen, wie so einer bei der WM ein Tor schießt und sich einen Traum erfüllt? Ein kleines Märchen, dass ohne Happy End auskommen muss. Und so ist die Geschichte der Nicht-Berücksichtigung von Sandro Wagner vor allem aus menschlicher Sicht eine tragische. Denn Wagner ist kein Lautsprecher, er ist nicht arrogant, ganz im Gegenteil. Seine Sätze können eine enorme Wucht entfalten, weil sie leise gesprochen und ehrlich gemeint sind. Er haut drauf, ohne auf andere einzuschlagen.

Eine Art, die der Nationalmannschaft in Russland fehlen könnte. Den Fans ganz gewiss.