Warum in Rumänien zwei namensgleiche Vereine aufeinander treffen

Same same but different

In Rumäniens zweiter Liga trifft heute Poli Timisoara auf Poli Timisoara. Ein bizarres Derby, bei dem beide Mannschaften darauf pochen, das wahre Politehnica Timisoara zu sein.

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Selbst der Trainer scheint verwirrt: Obwohl Stefan Nanu genau vor einer Woche seinen Trainerposten beim rumänischen Klub Poli Timisoara hinwarf, wird er beim heutigen Derby wieder an der Seitenlinie stehen. Poli Timisoara, im lila-weißen Dress, trifft dann auf Poli Timisoara, in lila und weiß. Die Heimmannschaft, der ACS Poli, steht derzeit, mit nur einem Sieg aus zwölf Partien, auf dem vorletzten Tabellenplatz der rumänischen zweiten Liga. ASU Poli, der Gast, ist Elfter. Doch die Tabellensituation ist für heute Nebensache, es geht um mehr. Das Spiel ist ein Derby der besonderen Sorte: Beide Mannschaften nennen sich Poli, beide treten in den gleichen Farben an und beide behaupten, das richtige Politehnica Timisoara zu sein. Wer richtig liegt, ist keinesfalls leicht ersichtlich, die Geschichte ist kompliziert. Um das Vorrechts-Duell besser zu verstehen, muss man fast hundert Jahre zurückblicken:

1921, kurz nach der Eröffnung der Technischen Universität in Timisoara, gründete der Mathematikprofessor der Einrichtung einen Fußballverein - den FC Politehnica Timisoara. Ab 1946 spielte der Verein jahrzehntelang in der höchsten rumänischen Liga mit und konnte sich in dieser Zeit eine große Anhängerschaft aufbauen - zu den Spielen kamen meist weit über 20.000 Leute - ehe es 1989 mit Poli bergab ging. 1997 musste sich der Klub aus der Erstklassigkeit verabschieden, ein italienischer Geschäftsmann übernahm den strauchelnden Traditionsverein. Doch weil der sich mit der Stadt Timisoara nach kürzester Zeit derart zerstritten hatte, siedelte er den Verein bereits ein Jahr später kurzerhand nach Bukarest um. Poli Timisoara war von nun an in der rumänischen Hauptstadt beheimatet - zum Entsetzen seiner Anhänger.

»Es geht um nichts als Stolz«

Die aktuelle Lage beim ACS Poli - der Heimmannschaft von heute - könnte nicht mieser sein. Streitigkeiten mit der Vereinsführung über die Kaderplanung und die katastrophale sportliche Situation veranlassten Trainer Stefan Nanu letzte Woche dazu, das Schicksal der Mannschaft vor dem brisanten Derby gegen Poli, in fremde Hände zu legen - und kündigte. Da sich kein freiwilliger fand, der den gebeutelten Verein aus Timisoara trainieren wollte, ist Nanu, vier Tage nach seinem Rücktritt, wieder da. Zum anstehenden Duell sagte er: »Es gibt zwei Teams namens Poli. Zwei Teams, die gewinnen wollen. Es geht um nichts als Stolz.«

1998, ein Jahr nach der Umsiedlung von Poli nach Bukarest, gelang einem kleinen Verein aus Bukarest, dem Zweitligisten AEK, der Aufstieg in die erste Liga. Da die Fußballfans der Hauptstadt lieber zu Steaua oder Dinamo gingen, entschied sich der Besitzer von AEK, mit dem Verein nach Timisoara umzuziehen, wo zurückgelassene Poli-Fans sich dem zugezogenen Verein gegenüber angetan zeigten. Um deren Zuneigung zu gewinnen, taufte der Eigentümer den Klub auf den Namen Politehnica Timisoara, und gab als Ziel aus, die Tradition von Poli in der Stadt fortführen zu wollen. Die Timisoarer kamen in Scharen. Das zweite Poli (heute ACS Poli) war geboren.