Warum Rudy für Schalke wichtig werden kann

Vermisst von Hummels – und Kroos

Bei der Weltmeisterschaft in Russland reichten ihm sogar nur 31 Minuten Spielzeit, um in der Folge schmerzlich vermisst zu werden – vor allem von Toni Kroos. Der brilliert bei Real Madrid auch deshalb, weil hinter ihm ein Sherpa wie der Brasilianer Casemiro die Lasten der Defensivarbeit auf sich lädt. Im ersten Gruppenspiel der Deutschen gegen Mexiko rieb sich Kroos dann verwundert die Augen, weil Sami Khedira, der gedachte Casemiro der Deutschen, eher wild vor ihm durch die Weiten des Mittelfelds stob. Hinter Kroos taten sich derweil unendliche Weiten bis zum deutschen Innenverteidiger-Pärchen auf.

Der Bundestrainer Joachim Löw plante eine Umstellung für das zweite Gruppenspiel gegen Schweden: Gesucht wurde jemand, der Kroos den Rücken freihielt, das Spiel eröffnen konnte und sich nicht zu schade für Defensivarbeit war. Auch wenn sein Name im Vorfeld der Partie nur selten fiel, so war er doch die logische Antwort auf das Stellengesuch: Sebastian Rudy.

Der Deal ergibt Sinn für Bayern und Schalke

Mit ihm in der Startformation lieferte die deutsche Mannschaft eine der wenigen ansehnlichen Phasen des Turniers. Sie trat in der ersten halben Stunde gegen Schweden geordnet und bestimmt auf. Nach 31 Minuten allerdings musste Rudy mit zertrümmerter Nase vom Platz. Nach 32 Minuten verlor Kroos den Ball im Mittelfeld, kam nicht mehr nach und sah konsterniert mit an, wie Schweden mit 1:0 in Führung ging. Im Spiel gegen Südkorea musste Rudy wegen seiner Verletzung passen. Wahrscheinlich hätte auch er das Unheil nicht abwenden können. Aber zumindest dürfte die halbe Stunde in Russland für mehr Wertschätzung von Rudy gesorgt haben.

Für den FC Bayern reicht sie allerdings nicht mehr. Beim bayerischen Überangebot im Mittelfeld lag ein Verkauf von Rudy nahe – allen Tischtennis-Virtuositäten zum Trotz. Beim FC Schalke wiederum bestand zwar kein Personal-, aber ein Qualitätsbedarf im defensiven Mittelfeld. Omar Mascarell ist verletzungsanfällig, den Jungspunden Weston McKennie und Suat Serdar fehlt noch die Reife und der manchmal zu überhebliche Nabil Bentaleb ist eigentlich auf der Acht besser aufgehoben als auf der Sechs.

Für Sebastian Rudy könnte eine Maxime gelten, die einer seiner Ahnen auf der Schalker Sechs prägte. Der sonst eher schweigsame Jiri Nemec wiederholte laut seiner damaligen Mitspieler schlicht den Satz: »Jungs, gebt ihr Gas, ich mach hinter euch alles sauber.« Nun kann Rudy Schalkes neuer Saubermann werden.