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Warum Romelu Lukaku gestern Abend ein Traumtor gelang

Ohne jede Berührung

In der letzten Minute bezwingt Belgien im WM-Achtelfinale die Japaner. Durch ein Traumtor, das Romelu Lukaku ohne eine einzige Ballberührung gelang.

imago

Manchmal geht es ganz einfach: Den Deckel aufdrücken, bis ein sattes Ploppen den Inhalt des Glases freigibt. Die gelben Bohnen in eine Schale geben. Etwas Essig und Öl. Eine gute Zwiebel, das ist wichtig, die nicht zu stark ist, weil sie sonst den eigentlichen Geschmack überdeckt, hinzu. Ein bisschen Kräuter aus dem Eisfach obendrauf. Zack, bumms, fertig: Bohnensalat. Ist einfach, macht glücklich.

Ob Romelu Lukaku vom Geheimnis eines guten Bohnensalats weiß, ist unklar. Als er im Vorfeld der WM in einem vielbeachteten Beitrag für »The Players Tribune« über sich sprach, da erinnerte sich daran, dass es in seiner Kindheit, die von Armut geprägt war, vor allem Brot und gestreckte Milch gab. Aber Mama, ich pack’ das, ich hol’ uns hier raus.

Belgier oder Kongolese?

Lukaku gehört seit seiner Kindheit zu den größten Versprechen im internationalen Fußballgeschäft. Doch anders als viele vor ihm, anders als Freddy Adu, anders als Martin Ødegaard, wurde der Belgier seinem vorauseilenden Ruf gerecht. Er ist ein Weltstar. Er könnte mit der Nationalmannschaft den Titel bei dieser WM gewinnen. Er ist Rekordtorschütze Belgiens. 40 Tore in 71 Spielen, zehn Treffer mehr als Paul van Himst und Bernard Voorhoof, Helden vergangener Jahrzehnte.

Von vielen im Land wird Lukaku dennoch mit Skepsis beäugt. »Jeder muss zugeben, dass er doch etwas kann«, hat sein Bruder Jordan kürzlich gesagt, »die meisten Menschen sagen aber: ‚Ja, er ist gut drauf. Trotzdem bevorzuge ich …‘« Dann brach er ab. In einem Land, das in regionalen Animositäten gespalten ist, können sich fast alle darauf einigen, dass, wenn es mal nicht läuft, Romelu Lukaku die Hauptschuld trägt. Romelu Lukaku hat darauf selbst aufmerksam gemacht, kurz bevor in Deutschland eine Diskussion um Mesut Özil und Identifikation losbrach. Wenn es gut liefe, würden ihn die Zeitungen »den belgischen Stürmer« nennen. Andernfalls aber wäre er nur »Romelu Lukaku, der belgische Stürmer kongolesischer Herkunft«.

Zwei Kopfbälle

Gestern Abend steckte die belgische Nationalmannschaft im Schlamassel. Der Geheimfavorit, der längst keiner mehr ist, drohte gegen Japan auszuscheiden. Und Lukaku, dem bis dahin nicht viel gelang, wäre vermutlich als Hauptschuldiger angeklagt worden. Einen 0:2-Rückstand hatte die belgische Auswahl trotzdem egalisiert. Nicht spielerisch, sondern mit zwei Kopfbällen gegen die kleinen Japaner. Aber in Verlängerung und Elfmeterschießen ist ja alles möglich.