Warum Roman Neustädter so wichtig für Schalke 04 ist

Der Mitdenker

Wofür steht der Bundesligaspieler von heute: Schnelle Autos? Markenschuhe? Nutellabrote? – An dieser Stelle könnte ein einfacher Hetzbrief gegen den aalglatten Profi stehen. Oder eine Hymne auf Roman Neustädter. Um zu zeigen, dass es auch noch Fußballer gibt, die mitdenken können.

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Vor jedem Spieltag stellen wir euch einen Bundesligaspieler vor, der nicht immer im Rampenlicht steht und trotzdem eine entscheidende Rolle für seine Mannschaft spielt. Ob wir damit tatsächlich Recht behalten, seht ihr heute ab 15 Uhr in unserer großen Bundesliga-Konferenz auf www.konferenz.11freunde.de.

In den vergangenen Wochen gab Roman Neustädter zwei denkwürdige Interviews. Zum einen für den liebevoll aufbereiteten Schalke-Blog halbfeldflanke.de. Zusammen mit dem Innenverteidiger sinnierte man über einer Taktiktafel über die Rolle, die Neustädter in dieser Saison angedacht ist und was er von seinen bisherigen Stationen mitgenommen hatte.


Und Neustädter lieferte. Er lieferte einen ungewöhnlichen Einblick in seinen eigenen Variantenreichtum auf dem Fußballplatz. Genauso wie sein Vater Peter spielte auch Roman bei Mainz 05, seiner ersten Profistation, auf der Position des Innenverteidigers und wurde nach erst nach einer spontanen Maßnahme durch Jörn Andersen auf der Sechs ausprobiert. Er überzeugte erst Andersen, später dann – als Neustädter längst in Gladbach war – den neuen Trainer Lucien Favre. »Boah, der Neustädter, der kann, der versteht alles«, soll der Schweizer bei seiner Ankunft am Gladbacher Trainingsplatz nach den ersten Einheiten gemurmelt haben.

Der Xavi am Bökelberg

Warum Favre ein derart positives Bild von seinem neuen Schützling zeichnete? Vielleicht, weil er merkte, dass dort jemand seine taktischen Vorgaben nahezu perfekt umzusetzen wusste. Weil dieser jemand auf jede noch so kleine Veränderung und Vorgabe einging und der Spaß an Videoanalysen fand. Und weil der polyvalente (O-Ton Favre) Neustädter nicht nur Sechser spielen kann, sondern auch immer noch Innenverteidiger. Vielleicht war es auch etwas anderes, dass Favre zu der Aussage bewegte, dass Gladbach seinen Xavi verliere, als es den Deutsch-Ukrainer auf Schalke zog. Ein großes Lob war es allemal.

»Das ist natürlich schon eine große Ehre, wenn so jemand das über einen sagt«, gestand Neustädter in diesem Interview und zeigte anschließend eine detaillierte Analyse seiner Arbeit in der Schalker Innenverteidigung auf. Wer welches Signal gebe, um den ballführenden Gegenspieler zu attackieren. Welche Auswirkungen das Selbstvertrauen des Einzelnen auf die Stabilität der Abwehrkette habe und weshalb Stehenbleiben in der Bundesliga manchmal die bessere Alternative sei.

Sein Vertrag läuft aus

Neustädter lieferte einen Einblick, der ihn neben den eintönigen Aussagen mancher Kollegen in der schweißgetränkten Mixed-Zone wie einen Fußball-Professor aussehen ließ. Aus Harvard. Summa cum laude.


Dabei sollte man wissen, dass der 28-Jährige nicht nur neben dem Platz besticht. In dieser Saison spielt Neustädter einen starken Part mit seinem Kompagnon Joel Matip und ist, nachdem gerade seine Ballsicherheit im defensiven Mittelfeld auf Schalke oft kritisiert wurde, mit 89,9 Prozent aller angekommenen Pässe der sicherste Spieler auf dem Platz der Königsblauen. Einer, der von den Fans jahrelang für schlampige Zuspiele verflucht wurde, ist mittlerweile taktgebend im Spielaufbau.

Es verwundert nicht, dass die russische Nationalelf ihre Fühler nach ihm ausgestreckt haben – bisher aufgrund einiger Papiermodalitäten noch vergeblich. Dass sein Vertrag in Gelsenkirchen ausläuft und bisher noch kein Einigungsansatz in Sicht ist, sollte die Verantwortlichen beim bevorstehenden Abgang Matips sehr nachdenklich stimmen.