Warum Reinhard Grindel mit seiner Fan-Kritik Unrecht hat

Massive Töne

Die Fans hätten das Pokalfinale »massiv gestört«, so DFB-Boss Grindel. Nun drohen Sanktionen. Dabei sollte der DFB endlich mal den Dialog suchen.

imago

Nein, es war wahrlich nicht das Pokalfinale des Reinhard Grindel. Erst setzte sich der DFB-Boss in die Nesseln, als er beim Empfang vor dem Spiel dem BVB den Titel wünschte, weshalb die Eintracht-Chefetage die Veranstaltung früher verließ. Während des Finals gab es schließlich ausgiebige Gesänge gegen den Verband, Anti-DFB-Banner, Pyrotechnik, außerdem natürlich das epische Pfeifkonzert gegen Helene Fischer, das dem Verband ganz gut verdeutlichen sollte, was die Fans von der Superbowlisierung des Finals hielten.

Grindel hätte es dabei belassen können, nun meldete er sich allerdings in der »Bild« zu Wort. Dort verurteilt der DFB-Boss nicht nur das Pfeiffkonzert gegen Helene Fischer, sondern auch das generelle Verhalten der Fans. Die Pfiffe gegen Fischer und das Abbrennen von Pyro seien dabei nur die Spitze des Eisbergs gewesen, es sei auch um Pfiffe bei der Nationalhymne und versuchte Blockstürme gegangen, weshalb es nun, so die »Bild«, zu möglichen Sanktionen kommen könnte. Das Verhalten der Fans, so Grindel, »lässt den Schluss zu, dass sich die radikale Szene beider Vereine schon im Vorfeld abgesprochen hat, das Pokal-Finale massiv zu stören.« 

Einzig gestört hat die unnötige Halbzeitshow

Was Grindel dabei übersieht, ja quasi umdeutet: Es waren nicht die Fans, die das Pokalfinale störten. Klammert man die Pyro aus (obschon auch das eine Causa ist, in der der DFB eher draufschlägt, als den Dialog sucht), werteten die Fans beider Vereine das Pokalfinale massiv auf. Es gab die größte Pokalfinal-Choreo der Geschichte, ohrenbetäubend laute Wechselgesänge, Fair Play nach Abpfiff und eine insgesamt friedliche Atmosphäre in und um das Spiel, wie übrigens auch die Polizei bestätigte. Einzig gestört hat die unnötige Halbzeitshow und das reflexhafte Wegbeißen sämtlicher Kritik im Anschluss. 

Denn wenn zwei Fanlager, die sich ansonsten nicht besonders mögen, spontan den Schulterschluss üben und im Wechselgesang »Scheiß DFB« rufen, sollte sich der Verband in erster Linie hinterfragen und nicht sofort mit dem Finger zurückzeigen. Anti-DFB-Banner sind sicherlich nicht die feine Art, aber ein Kapitalverbrechen sind sie auch nicht. Sie sind eine Unmutsbekundung jener Anhänger, die sich immer weniger gehört fühlen. Es gehört ihnen umso mehr Gehör geschenkt, wenn sie sich »absprechen«. Das Gegenteil scheint der Fall, die Grenzen der Sportgerichtsbarkeit haben sich zuletzt dahingehend verschoben, dass Banner und Schmähgesänge zu Teilausschlüssen führen. 

Man zeigt schnell mit dem Finger auf den anderen, anstatt die Hand auszustrecken

Warum eigentlich? Wenn ich Helene Fischer nicht mag oder das, wofür sie steht, ist es mein Recht, das zu artikulieren. Ebenso darf ich bei der Nationalhymne pfeifen oder ein Banner hochhalten, auf dem ich zu erkennen gebe, dass ich mit der Arbeit des Verbands nicht einverstanden bin. Auch wenn es sicherlich diplomatischere Wege des Protests gibt. Dass der DFB darauf derart dünnhäutig reagiert, ist dennoch nicht nachzuvollziehen. Und es zeigt auch das Grundproblem im Dialog zwischen Verband und Fans: Man zeigt schnell mit dem Finger auf den anderen, anstatt mal die Hand auszustrecken. 

Zumal es ja nicht so ist, als hätten die Teilausschlüsse der BVB- und Franfurt-Fans in der Vergangenheit besonders viel gebracht. Durch einen weiteren Teilausschluss wird sich das Verhältnis zwischen den Parteien und auch das Verhalten der Fans nicht bessern, so viel sollte klar sein. Aber vielleicht ist das auch egal, wenn das nächste Pokalfinale in Shanghai stattfindet, mit einer extra langen Helene-Fischer-Show in der Halbzeit und ganz ohne Banner oder Schmähgesänge.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!