Warum Real Madrid das Finale verdient gewonnen hat

Real kann wahnsinnig gut Fußball spielen

3. Real kann wahnsinnig gut Fußball spielen
Durch die Patzer von Karius fühlt es sich an, als habe Liverpool das Spiel verloren – und nicht, als hätte Real die Partie gewonnen. Damit tut man Real jedoch Unrecht. Selbst in ihrer schwächsten Phase, der ersten halben Stunde, fanden die Madrilenen Lösungen gegen Liverpools Pressing, die andere Gegner nicht sahen (beispielsweise Manchester City im Viertelfinale oder AS Rom im Halbfinale). Gerade Karim Benzema zeigte ein wunderbares Raumverständnis: Sobald Liverpools Mittelfeld herausrückte, bot er sich im frei werdenden Raum an. Real kam zwar selten vor das Tor, sie verloren aber auch nur selten Bälle gegen Liverpools Pressing.

Spätestens nach der Pause stellte Real die eigene individuelle Klasse zur Schau – ein Klassenunterschied, der die Partie entschied. Es waren die kleinen Dinge, die sich summierten: Toni Kroos und Luka Modric, die trotz ständigem Liverpooler Drucks 95 Prozent ihrer Pässe zum Mitspieler brachten. Karim Benzemas Sprint vor dem 3:1, der Emre Can aus dem Zentrum lockte und Gareth Bale den freien Schuss ermöglichte. Und natürlich der Fallrückzieher von Gareth Bale, ganz trocken ins Eck.

So kann man es zurecht als unfair ansehen, dass Sergio Ramos für seine großen und kleinen Vergehen so selten bestraft wird. Man kann lamentieren, dass Real bereits im Halbfinale gegen die Bayern Glück hatte, dass der Keeper patzte. Oder man kann sich Hermann Gerlands Worte ins Gedächtnis rufen: »Immer Glück ist Können.«

4. Zu viel Vollgas am Anfang, zu wenig Kraft am Ende
All der individuellen und taktischen Klasse zum Trotz: Real Madrid war an diesem Abend verwundbar. Das gab auch Klopp nach dem Spiel zu. Doch just in der Phase nach dem 1:1 verpasste es Liverpool, nachzulegen. Spätestens nach dem 1:2 wurde deutlich: Das ständige Stören des Gegners und das aggressive Verschieben zum Ball hatte Liverpool Kräfte gekostet. Kräfte, die am Ende fehlten. Statt im Vollgas zum Pressing anzusetzen, lief Liverpool jetzt nur noch hinterher.

So konnte Liverpool trotz offensiver Wechsel keine Schlussoffensive entfachen. Wobei: Selbst wenn sie die Kräfte dazu gehabt hätten – es beschleicht einen das Gefühl, das Spiel wäre trotzdem nicht anders ausgegangen. Die taktischen und fußballerischen Feinheiten sind Feinheiten. Die großen Geschichten des Abends schreien jedoch: Der Fußballgott war an diesem Abend einfach Madrilene.

Oder, um zum Schluss noch einmal einen wahren Fußball-Philosophen zu zitieren: Haste scheiße am Fuß, haste scheiße am Fuß.