Warum Real die CL gewinnen wird

Zentrales Riesengehirn und ein starker Ronaldo

Reals Herzstück ist wie im Vorjahr das Mittelfeld. Gerade in der Champions League verzichtet Zidane häufig auf klassische Flügelspieler, die in den letzten Jahren den königlichen Stil geprägt haben. Dafür stellt er in der Mittelfeldzentrale ein galaktisches Riesenhirn auf, bestehend aus Casemiro, Luca Modric, Toni Kroos und Isco.

Dessen Synapsen sind perfekt aufeinander abgestimmt. Casemiro spielt den Box-To-Box-Abräumer und sichert vertikale Bewegungen seiner Kollegen ab. Modric gibt den Taktgeber, verantwortlich für das Tempo des Spiels und immer anspielbar. Toni Kroos unterstützt ihn als stoisches Metronom, hält die Ordnung aufrecht und ist der vermutlich beste Passspieler der Welt. Isco schließlich bringt Überraschungsmoment und Genialität ins Spiel. Seine Weiträumigkeit eröffnet zusätzliche Optionen, auch und gerade auf den Flügeln.

Die Abkehr vom Flügelfokus ging einher mit der Verwandlung des Cristiano Ronaldo. Vom Flügel- zum Mittelstürmer und von schwachen Auftritten am Saisonbeginn zur Form seines Lebens. 15 Champions-League-Tore in zehn Spielen, 120 mittlerweile insgesamt. Auch die weit verbreitete Unterstellung, Ronaldo bleibe in den sogenannten »großen Spielen« blass, entbehrt seit einigen Jahren jeglicher Grundlage. Bayern-Fans sollten das wissen. 

Königliche Mentalitätsmonster

Im Halbfinale 2014 traf CR7 auf dem Weg zum Titel immerhin doppelt gegen München. Im Viertelfinale letztes Jahr erzielte er fünf von sechs Real-Toren gegen den FCB. Im Finale ließ er gegen Juve noch einen Doppelpack folgen. Dass er sich nach 15 CL-Treffern plötzlich abmelden lässt, scheint unwahrscheinlich. Zuletzt unterstrich er seine Kaltschnäuzigkeit in den beiden Neuauflagen des Endspiels von 2017. Erst per Fallrückzieher, dann in der 97. Minute per Elfmeter. 

Gegen die Alte Dame stand Real ziemlich nah am Abgrund, wenngleich noch eine Verlängerung Zeit gewesen wäre, die Halbfinalteilnahme zu sichern. Dass sie es jedoch gar nicht erst dazu kommen ließen, war für diese erfolgsverwöhnte Mannschaft der finale Push. Frei nach Jürgen Klopp hat das Weiterkommen auf diese Art und Weise ein königliches »Mentalitätsmonster« geschaffen, das romantisch-verklärte Henyckes-Triple-Erinnerungen oder »Bestia Negra«-Mythen auf seinem Weg nicht aufhalten werden. Letzterer wurde in den vergangenen Jahren auch anschaulich widerlegt – von den gleichen Spielern, die heute Abend auflaufen. Kein Mo Salah würde diese Mannschaft brechen, kein Edin Dzeko.

Die neuen und alten Champions-League-Sieger

Die Bayern müssen ihre Hoffnung in den Heimvorteil, die Form ihrer Champions-League-Sieger Robben, Ribéry und Martínez, sowie den Einfallsreichtum von Heynckes gegen Reals Mittelfeld setzen. Juve hat vor zwei Wochen gezeigt, wie man es spielen kann. Mit Strafraumbesetzung und kontrolliertem Pressing. Gereicht hat es trotzdem  nicht. Stattdessen brachte die Nahtoderfahrung den Madrilenen die letzten Prozent auf dem Weg zum Titel.

Ihre Erfahrung, ihre Konsistenz im Europapokal und ihr Selbstverständnis sprechen dafür, dass wir auch Ende Mai in Kiew den zur Perfektion geschliffenen Oberkörper des Cristiano Ronaldo zu sehen bekommen. Ebenso, dass die Kritiker kritisieren und die Hater wieder haten werden. Den neuen und alten Champions-League-Siegern wird es egal sein.

Aber hey, dieses Jahr weiß man in der Königsklasse ja nie.