Warum Rapinoe neue US-Präsidentin werden könnte

Weißes Haus? Nein, thanks

Dennoch ist dieser 42:41-Sieg ein weiterer Triumph für Rapinoe, die in Frankreich kaum eine Gelegenheit ausgelassen hatte, dem Milliardär die Meinung zu geigen. »Ich gehe doch nicht ins beschissene Weiße Haus«, hatte Rapinoe geätzt auf die Frage, ob sie im Falle eines WM-Triumphs am (eigentlich obligatorischen) Empfang beim US-Präsidenten teilnehmen würde. Sie solle doch »zuerst gewinnen, dann reden«, schoss Trump via Twitter zurück.

Das tut Megan Rapinoe nun. Lauter und entschlossener als je zuvor. In einem Interview mit dem Trump-feindlichen Sender CNN sprach sie den Präsidenten sogar direkt an – mit drastischen Worten: »Ich würde sagen, dass Ihre Botschaft mich ausschließt. Sie schließen mich aus, Sie schließen Menschen aus, die aussehen wie ich. Sie schließen auch People of Color (stehender Begriff für all jene, die Erfahrungen als Opfer von Rassismus gesammelt haben; die Redaktion) aus.«

Weißes Haus? Nein, thanks

Die Trump-Administration müsse ihre Arbeit wieder an der Verfassung orientieren, forderte Rapinoe und erklärte: »Als homosexuelle Amerikanerin weiß ich, was es heißt, wenn die Flagge nicht alle deine Freiheiten beschützt.« Auch Trumps Slogan »Make America Great Again« (Macht Amerika wieder großartig) müsse überdacht werden, so die Torjägerin, denn er weise zurück in eine Zeit, die »nicht für alle großartig« gewesen sei. Eine Zeit von Ungleichheit und Diskriminierung.

Derweil scheint klar, dass die US-Fußballfrauen geschlossen auf den Empfang im Weißen Haus verzichten werden. Gegenüber CNN verriet Rapinoe: »Jede Mitspielerin, mit der ich explizit darüber gesprochen habe, wird nicht hingehen.« Sie glaube nicht, dass »irgendjemand im Team« daran interessiert sei, sich »von dieser Regierung vereinnahmen und korrumpieren zu lassen«.

Lieber zu den Simpsons

Damit wandeln die Weltmeisterinnen in den Spuren der Golden State Warriors (NBA-Champions 2017 und 2018) und des NFL-Footballteams der Philadelphia Eagles (Super-Bowl-Gewinner 2018). Auch vom amtierenden MLS-Baseball-Champion Boston Red Sox ließ sich nur ein Teil der Mannschaft bei Trump im Weißen Haus blicken. 

Megan Rapinoe, Alex Morgan, Carli Lloyd & Co. sollen statt des Präsidenten-Empfangs einen ausführlichen Gast-Auftritt bei den Simpsons erhalten. Die Macher der Comic-Serie um deren Schöpfer Matt Groening hatten die Mannschaft mit einer entsprechenden Einladung in der Heimat empfangen: Eine Zeichnung im Stil der Serie zeigte einige Spielerinnen mit der Familie von Bart Simpson vor deren Haus. Übertitelt ist das Werk mit »Willkommen Champions. Es ist zwar nicht das Weiße Haus, aber tretet ein.«


Screenshot: Twitter/TheSimpsons