Warum Rapinoe neue US-Präsidentin werden könnte

Mega(n)-Klatsche für Donald Trump

Auch nach der WM setzt US-Nationalheldin Megan Rapinoe ihren beherzten Kampf gegen den Präsidenten fort. In einer nationalen Wahlumfrage liegt sie sogar vor Trump.

imago images

Was sie daheim bewirkt hatten, wurde den Spielerinnen der US-Frauen-Nationalmannschaft vermutlich erst klar, als sie zurück waren. Und als sie am Mittwoch auf einem offenen Wagen durch den rot-weiß-blauen Konfettiregen von Manhattan paradierten. »New York City, you're the motherfucking best!«, brüllte die strahlende WM-Heldin Megan Rapinoe am Ende ihrer Dankesrede vor dem New Yorker Rathaus ins Mikrofon. Der frenetische Jubel der Massen blies ihr um ein Haar die Sonnenbrille vom Nasenbein.

Zuvor hatte der offizielle Empfang für die frisch gebackenen Fußball-Weltmeisterinnen Hunderttausende auf die Straßen von New York City gelockt und zig Millionen vor die TV-Geräte im ganzen Land. Vielleicht waren nicht alle Schaulustigen ausgesprochene Fußballfans. Doch vermutlich waren sie fast alle erfasst von der Woge der Emotionen, die Rapinoe & Co. während der Wochen in Frankreich losgetreten hatten, auf dem Rasen und auf dem politischen Parkett – durch schwere verbale Breitseiten gegen US-Präsident Donald Trump.

Verklausuliert und trotzdem deutlich

Auch die große Party in NYC wurde zu einer massiven Kundgebung. Die 34-jährige Rapinoe, die am vergangenen Sonntag den WM-Pokal, den Goldenen Ball für die beste Spielerin des Turniers und den Goldenen Schuh für die erfolgreichste Torschützin in die Luft stemmen durfte, rief einmal mehr zum Widerstand gegen die spalterische Agenda des US-Staatsoberhaupts auf – wenn auch leicht verklausuliert: »Dies ist meine Aufmunterung an alle«, beschwor Rapinoe die Massen. »Tut, was ihr könnt. Tut, was getan werden muss. Tretet aus euch heraus. Seid mehr, seid besser, seid größer als je zuvor.« Und: »Es ist unsere Verantwortung, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.« 



Ungefähr zeitgleich kassierte der gute Donald Trump auch Umfrage-technisch eine absolute Mega(n)-Klatsche: Laut einer aktuellen Erhebung des renommierten demoskopischen Instituts Public Policy Polling würde der 73-Jährige in einer direkten Präsidentenwahl gegen Rapinoe knapp unterliegen: mit 41 zu 42 Prozentpunkten. Und nicht nur das.

»Ich habe zu tun, tut mir leid«

Auch jene 17 Prozent der Befragten, die sich nicht zwischen Trump und Rapinoe entscheiden konnten oder wollten, sind zum überwiegenden Teil ausgesprochene Trump-Gegner. 82 Prozent von ihnen erklärten sich unzufrieden mit der Politik des Anfang 2017 ins Amt gehobenen 45. US-Präsidenten. Im Wahlforscher-Slang heißt das: Eine (fiktive) Präsidentschaftskandidatin Rapinoe hätte erheblich mehr Aktivierungspotenzial als der (reale) Machthaber Trump.

Dieses Umfrage-Resultat ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, denn es ist dreierlei: 1.) vom grandiosen Rapinoe-, WM- und Frauenfußball-Hype des Augenblicks getragen. 2.) schon allein deshalb nicht hundertprozentig ernst zu nehmen, weil Rapinoe ausdrücklich erklärt hat, keine Präsidentschafts-Ambitionen zu hegen (»Ich hab zu tun, tut mir leid!«). 3.) statistisch im allgemeinen Trend, weil Trump auch in Umfragen, die ihn möglichen (echten) Gegenkandidaten der US-Demokraten gegenüberstellen, hinten liegt.