Warum Raphael Schäfer so wichtig in der Relegation ist

Raphael Schäfer als Wolfgang Petry

Es kam anders, als gedacht. Zumindest war es nicht abzusehen, dass Nürnberg, der Zweitligist, den Erstligisten aus Cottbus in zwei Spielen komplett an die Wand spielen würde. 3:0 siegten die Franken in der Lausitz, 2:0 gewannen sie im eigenen Stadion. »Für uns ist es sehr überraschend, hier so deutlich gewonnen zu haben. Das haben wir uns in den kühnsten Träumen nicht ausgemalt«, sagte der damalige FCN-Trainer Michael Oenning nach den Spielen.
 
Nach dem Spiel labten sich die Fans an zehntausend Liter Freibier, und die Mannschaft ließ sich in Gewinnershirts (»Wir waren nur mal kurz weg«) feiern.  Und Raphael Schäfer? Der trat bei der Aufstiegsfeier als Wolfgang Petry auf.

Das Champions-League-Finale des kleinen Mannes
 
Ein Jahr später, Nürnberg hatte eine katastrophale Erstliga-Saison gespielt, musste Raphael Schäfer mit seinem Team wieder in die Relegation. Diesmal ging es gegen den FC Augsburg, und Nürnbergs Mittelfeldspieler Andreas Ottl floskelte vor dem Spiel: »Wir müssen zweimal neunzig Minuten Leistung bringen und wenig Fehler machen, dann gewinnt meistens auch die bessere Mannschaft.«
 
Nach einem 1:0 im Heimspiel gewannen die Nürnberger 2:0 in Augsburg. Raphael Schäfer machte keine Fehler. Wie auch? Er hatte in beiden Spielen so gut wie nichts zu tun. Nach dem Spiel sprach er von einer »eindeutigen Angelegenheit. Da war schon ein Klassenunterschied zu sehen«.
 
Die Augsburger haderten derweil mit der eigenen Leistung, aber auch mit dem Gegner. Die Nürnberger waren eben relegationserfahrener. Ihnen waren diese Auf-Leben-und-Tod-Duelle präsenter. Und sie hatten diesen Keeper, für den die Relegation offenbar so was wie das Champions-League-Finale des kleinen Mannes bedeutet. Weiter, immer weiter.

»Als Erstligist hast du viel, viel mehr zu verlieren«
 
Natürlich ist Schäfer auch jetzt, wenige Tage vor dem Spiel gegen Frankfurt, schon wieder gut auf Temperatur. »Es ist einfach so, dass du als Erstligist viel, viel mehr zu verlieren hast«, sagte er am Montag in der »Bild«. »Ich weiß das, weil wir damals gegen den FC Augsburg auch viel mehr zu verlieren hatten.«
 
Der FCN kann indes nicht nur diese Relegation gewinnen und damit in die Bundesliga aufsteigen, er könnte sich für den letzten Spieltag der Saison 1998/99 revanchieren. Damals stießen die Frankfurter den 1. FC Nürnberg in den Zweitliga-Abgrund, weil sie 5:1 gegen Kaiserslautern gewannen. Vielleicht sollte Niko Kovac mal darüber nachdenken, Jan-Aage Fjörtoft als Glücksbringer auf die Tribüne zu setzen.