Warum Raphael Schäfer so wichtig in der Relegation ist

Der Glücksbringer

Die Relegationsbilanz von Raphael Schäfer ist beeindruckend: vier Spiele, vier Siege, null Gegentore. Pünktlich zum Entscheidungsspiel gegen Frankfurt ist der 37-Jährige wieder fit.

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Fußballer lieben Glücksbringer. Udo Lattek zog etwa zwischen August und November 1987 seinen blauen Strickpullover nicht mehr aus, obwohl das Thermometer teilweise über 30 Grad anzeigte. Köln blieb 14 Spieltage lang ungeschlagen.
 
Ans Limit ging auch Joachim Löw bei der WM 2010, als er bis ins Halbfinale bei jedem Spiel seiner Mannschaft ebenfalls einen blauen Strickpullover trug. Innerhalb kürzester Zeit war dieses Modell in Deutschland ausverkauft. (Es war übrigens nicht der Pullover von Lattek, der war zwischenzeitlich für 36.000 Euro zu Gunsten der Kinderkrebshilfe versteigert worden).
 
Der Glücksbringer des 1. FC Nürnberg ist hingegen ein Torhüter: Raphael Schäfer, 37 Jahre, 372 Spiele für den Club, davon vier in der Relegation. Am Donnerstag soll er gegen Eintracht Frankfurt zum Helden werden.

»Dass Raffa zurückkommt, scheint eher unwahrscheinlich«
 
Dabei war die Karriere des Keepers eigentlich schon beendet. Am 17. Oktober 2015 hatte er sich im Spiel gegen den FSV Frankfurt eine starke Wadenverletzung zugezogen und musste nach 18 Minuten vom Feld. Anschließend verkündete Trainer Rene Weiler: »Dass Raffa noch einmal als Nummer eins zurückkommt, scheint eher unwahrscheinlich.«
 
Auch Schäfer, der sich kurz darauf in der »Bild« äußerte, gab den Fans wenig Grund zur Hoffnung: »Wenn die neue Nummer eins bis Weihnachten gut hält, muss sie auch in der Rückrunde im Tor stehen. Wenn nicht, sollte man sich im Winter eher Gedanken über einen Neuaufbau machen, und meine Karriere endet ja im Sommer.«
 
Zu diesem Zeitpunkt dümpelten die Nürnberger noch durch das graue Mittelfeld der zweiten Liga, nach elf Spielen stand das Team auf Platz neun, die Aufstiegsplätze und der Relegationsplatz waren in weiter Ferne.

»Ich bin nicht totzukriegen«
 
Raphael Schäfer feierte entgegen aller Prognosen schon mehrmals in dieser Saison ein Comeback. Nach seiner Wadenverletzung kam er im November zurück. Dann verletzte er sich im März an der Achillessehne, weswegen man in Nürnberg erneut Lebewohl sagte. Nur Schäfer war diesmal optimistischer. In einem Interview mit dem »BR« sagte er: »Ich bin nicht totzukriegen.« Und auf die Frage, ob er diese Saison noch ein Spiel bestreiten werde, antwortete er: »Man soll niemals nie sagen.«
 
Zuletzt kam Schäfer am Sonntag zurück. Gegen den SC Paderborn hielt er so gut, dass Trainer Weiler jubelte: »Es ist wichtig, dass er wieder dabei ist. Denn er dirigiert seine Mitspieler, und pusht sie auch.«
 
Schäfers Einsatz gegen Frankfurt ist aber nicht nur wichtig, weil er ein guter Torhüter ist, sondern weil er eine Relegationsbilanz aufweist, die in Deutschland einzigartig ist: vier Spiele, vier Siege, kein Gegentor. Die Null steht seit 360 Minuten.
 
Das erste Relegationsspiel bestritt Schäfer am 28. Mai 2009. Nürnberg war Dritter in der zweiten Bundesliga geworden und musste nun gegen den 16. der ersten Bundesliga ran: Energie Cottbus. Es war eine großartige Saison für den FCN und vor allem für Raphael Schäfer gewesen. Der Torhüter hatte in der abgelaufenen Saison 16 Mal zu null gespielt. Insgesamt ließ der Club nur 29 Gegentore zu, sieben weniger als der Zweitligameister aus Freiburg.


 
Und dann ging es nach Cottbus. Wie wichtig das Spiel war, erklärte Energie-Torhüter Gerhard Tremmel einen Tag zuvor: »Es geht um die Existenz. An diesen Spielen hängen Arbeitsplätze, die ganze Region fiebert mit. Dieser Verantwortung wollen wir gerecht werden.«