Warum Philipp Max für Augsburg so wichtig ist

Ein Leben lang gelernt

Sein Jugendtrainer Norbert Elgert kennt den Grund: »Er ist ein Junge, der zu hundert Prozent die richtige Einstellung hat. Er hat das lebenslange Lernen verinnerlicht, er will jeden Tag besser werden.« Auch, wenn es auf Schalke nicht hat sollen sein, ist nach »Abi« Abramczik dennoch ein neuer »Flankengott« aus der Knappenschmiede hervorgegangen. Den S04-Mitgliedsausweis hat Max noch. 

Gelernt hat er auch bei seinem jetzigen Trainer Manuel Baum. Nicht nur früher, als Baum sein Lehrer in der Realschule bei München war. Anders als seine Vorgänger setzt er Max heute regelmäßig als linken Verteidiger ein. So hat der diese Saison nur zehn Minuten Bundesliga verpasst. Mindestens einmal wöchentlich steht Flankentraining auf dem Programm, hinzu kommen individuelle Einheiten.

Max' Ausdauer und Schnelligkeit kommen auch dem Augsburger Spiel unter Baum entgegen — und umgekehrt. Wenn Augsburg in die Umschaltsituationen kommt, die es so liebt, fetzt er unstoppbar seine Seite entlang auf dem Weg zum nächsten Assist. Aber er ist auch genauso schnell zurück im Defensivverbund, wo er 53 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnt.

Einer für Löw?

Sein ehemaliger Lehrer Baum findet, Max »hätte es verdient«, mal bei der Nationalmannschaft reinzuschnuppern, wo immer Außenverteidiger gesucht werden. Manager Stefan Reuter, früher selbst rechts in der Defensive unterwegs, ist sich sicher, es sei »nur eine Frage der Zeit«. Mit der Olympia-Auswahl holte Max 2016 bereits die Silbermedaille, hält sich bei dem Thema aber zurück: »Ich will mich lieber auf dem Platz zeigen.« 

Das macht der bescheidene, reflektierte Profi nämlich am besten. Die meisten Torvorlagen, die meisten Flanken, die meisten Torschussvorlagen der Liga. Auch wenn die Passquote mit 70 Prozent noch verbesserungswürdig ist, hat Max sich in die Notizbücher von Scouts aus ganz Europa gespielt. Kommentar? »Das lasse ich überhaupt nicht an mich ran.« 

»Talent stellt dich nur in die Tür, Charakter, Einstellung und Anstrengungsbereitschaft bringen dich hindurch«, sagt Max’ Ex-Coach Norbert Elgert. Mit harter Arbeit und viel Lernbereitschaft hat Philipp Max diese Saison den Schritt durch die Tür gemacht. 

Beziehungsweise die vielen Schritte. So, wie wenn er tief in der eigenen Hälfte den Ball bekommt und dann unaufhaltsam losläuft, die ganze Seitenauslinie entlang. Wenn er dem Toraus entgegenhechelt, das Standbein platziert und sich der linker Fuß bereit macht, um wie ein übereifriger Kellner seine Flanken zu servieren.