Warum Mo Salahs Puskas-Award-Sieg so schade ist

So Lalah

Mo Salah hat laut Fifa das schönste Tor des Jahres geschossen. Aber das stimmt nicht. Zeit, den Vergabemodus zu hinterfragen. 

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Wir wollen Riley McGree nicht zu nahe treten, aber den größten Moment seiner Karriere hat der 19-jährige Australier höchstwahrscheinlich bereits hinter sich. McGree kickt in der A-League für Melbourne City, er ist einmal Australischer Meister geworden und kommt auf acht Karrieretore in 37 Spielen, als zentraler Mittelfeldspieler. Ordentlich, keine Frage. Zur Weltfußballer-Gala wird McGree aber wahrscheinlich trotzdem nicht mehr eingeladen werden. Sein Traumtor im Halbfinale der A-League-Playoffs 2017 war für den jungen Mann eine einmalige Sache. Und letztlich wohl eine Enttäuschung.

Das Tor, eine Art Hinterrücks-Hacken-Lupfer, der eine hübsche Kombination veredelte, war eines von zehn für den Puskas-Award nominierten Traumtoren, und objektiv betrachtet wohl auch das schönste. Letztlich setzte sich ein eher schnöder Schlenzer von Mo Salah durch, von dem man mit Sicherheit behaupten kann, er habe schon schönere Tore als dieses geschossen. Was die Fans nicht daran hinderte, Salahs Treffer in den Winkel mit sagenhaften 38 Prozent der Stimmen zum schönsten Treffer des Jahres zu wählen. Das Tor wurde übrigens nicht einmal in der Premier League »Tor des Monats«, Salahs Teamkollege James Milner gratulierte auf Twitter: »Glückwunsch, Mo Salah, zu deinem siebtschönsten Tor der vergangenen Saison, das zum schönsten Tor der Saison gewählt wurde.«

Das Problem: Die Vorauswahl durch die Fifa

Die Gefahren, die bestehen, wenn man Fans über Preise abstimmen lässt, kennt man spätestens seit Ailtons Auszeichnung zum HSV-Spieler des Jahres 2006. Zur Erinnerung: Ailton hatte am 34. Spieltag das leere Tor seines Ex-Vereins Werder Bremen verfehlt, was dem SVW schlussendlich die Qualifikation zur Champions League ermöglichte und dem HSV verwehrte. Die Wahl des HSV-Spieler des Jahres wurde anschließend von mit vorzüglichem Humor ausgestatteten Bremen-Fans gehijackt, der Preis ging an Ailton. Glückwunsch noch einmal dazu, an alle Beteiligten. 

Über die Nominierten des Puskas-Awards kann man jeweils im November zwei Wochen lang im Internet abstimmen. Das eigentliche Problem beim Puskas-Award ist allerdings weniger, dass ein ägyptischer und Liverpooler Volksheld einen Preis zugeklickt bekommen kann von Fanmassen, die einem Australischen A-Jugendlichen nicht zur Verfügung stehen, sondern die Vorauswahl. Die wird nämlich von der Fifa-Fußballkommission getroffen, und dass Salahs Treffer aus der Reihe der ausgewählten Traumtore herausfällt, sieht ein Blinder. 

Für die Nominierten aus der zweiten Reihe ist der Award keine Spaß-Veranstaltung

Was die Komission also dabei geritten hat, Salah zu nominieren, wird ihr Geheimnis bleiben. Schade ist es allemal, denn so entsteht der Eindruck, dass eher nach Name nominiert wird und nicht der Sache nach. Und die heißt: Schöne Tore. Für die Nominierten aus der zweiten Reihe ist der Award übrigens keine Spaß-Veranstaltung. Der Gewinner von 2015, Wendell Lira, stand weinend auf der Bühne und zitierte Bibelverse, so ergriffen war er vom größten Moment seiner schwierig verlaufenen Karriere. Ob Riley McGree ähnlich angefasst reagiert hätte, werden wir nicht erfahren. Es sei denn, er schießt noch einmal ein Hinterrücks-Hacken-Lupfertor.