Warum militante Stoke-City-Fans James McClean mobben

Der Feind in unserem Trikot

James McClean zählt zu den besten Fußballern bei Stoke City. Doch viele Fans hassen den Iren. Sie bewerfen ihn mit Müll und beleidigen ihn mit Sprechchören. Jetzt hat McClean genug – und beleidigt zurück. 

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Genug ist genug, dachte sich James McClean und postete bitterböse Grüße an die »ungebildeten Höhlenmenschen« auf den Rängen von Stoke City. Diese hatten McClean, ihren eigenen Spieler, während der Heimpartie gegen den FC Middlesbrough (0:0) in einer Tour beleidigt, bedroht und am Ende sogar mit allem möglichen Müll beworfen – wieder einmal.

Aber diesmal hatte das Mobbing eine neue Dimension erreicht. McClean, ein katholischer Ire aus der nordirischen Stadt Derry, hatte sich nämlich geweigert, gegen Middlesbrough eine »Remembrance Poppy« auf seinem Trikot zu tragen. Die stilisierte rote Mohnblume soll alljährlich im Herbst (rund um den »Remembrance Day« am 11. November) an gefallene britische Soldaten erinnern – eine Tradition, die im Vereinigten Königreich seit 1921 hochgehalten wird und vor allem an die Weltkriegs-Toten erinnern soll. Auch Englands Profi-Klubs leben diesen Brauch.

»Wir respektieren seine Entscheidung«

McClean (60 Länderspiele, zehn Treffer für die Republik Irland) hatte schon vor dem Middlesbrough-Spiel angekündigt, er werde keine »Poppy« tragen. Und er hatte auch schon einige Male erklärt, warum: Für den 29-Jährigen steht die Mohnblume nicht nur für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs, sondern auch für jene britischen Soldaten, die am 30. Januar 1972 – am »Bloody Sunday« – für ein Massaker an 14 unbewaffneten katholischen Demonstranten in seiner nordirischen Heimatstadt Derry verantwortlich waren.

McClean kennt zahlreiche Nachkommen der Ermordeten persönlich. Sechs der Toten stammten aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Der von »U2« besungene Blut-Sonntag hat sich unauslöschlich ins Gedächtnis der Katholiken im britisch-protestantisch-beherrschten Teil Irlands eingebrannt. Erst im Jahr 2010 fand Großbritanniens Regierung offizielle Worte der Entschuldigung. Viel zu spät.

»Wir verstehen, dass die ,Poppy' für verschiedene Menschen unterschiedliche Bedeutungen haben kann und finden nicht, dass irgend jemand gezwungen werden sollte, sie gegen seinen persönlichen Willen zu tragen«, versuchte Stoke Citys Klubführung vor dem Middlesbrough-Spiel öffentlich zu moderieren. »James hat uns informiert, dass er die ,Remembrance Poppy' nicht tragen wird. Wir respektieren seine Entscheidung und sein Recht, den eigenen Überzeugungen zu folgen.«

»Fuck-James-McClean«

Doch im Lager der Fans gibt es offenbar viele, die eine solch tolerante Haltung nicht teilen. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff und später, außerhalb des Stadions, waren immer wieder laute »Fuck-James-McClean«-Gesänge zu vernehmen – auch von den mitgereisten Middlesbrough-Anhängern.

Schon in früheren Jahren, als der Linksfuß für Sunderland, Wigan Athletic und West Bromwich Albion spielte, hatte McClean sich hartnäckig geweigert, die »Remembrance Poppy« auf seinem Trikot zu tragen. Auch damals hatte es kritische Stimmen und vereinzelte Verunglimpfungen gegeben. Doch seit seinem Wechsel zu Stoke City im Sommer dieses Jahres hat die Affäre nochmals an Brisanz gewonnen. Der zweitklassige Klub aus den britischen Midlands gilt einerseits als eine der letzten Bastionen der guten, alten englischen Stadion-Atmosphäre. Andererseits stehen Teile der Anhängerschaft im Ruf, militant-nationalistisch zu sein.