Warum Michael Gregoritsch für den FCA so wichtig ist

Endlich wieder Wunderkind

Der HSV lässt sich den österreichischen U21-Nationalspieler (auch hier 20 Tore aus 29 Spielen) trotzdem drei Millionen Euro kosten. Doch obwohl er in Hamburg häufig der sprichwörtliche Einäugige unter den Blinden ist, darf er sich nie wirklich beweisen.

Und geht deswegen vor der Saison nach Augsburg. »Ich muss ehrlich sagen: Ich hätte mir gewünscht, dass man mir von allen Seiten ein bisschen mehr Vertrauen entgegen bringt«, sagte Gregoritsch dem Hamburger Abendblatt nach seinem Wechsel. Und nannte mit Kerem Demirbay, Jonathan Tah und Tomas Rincon drei Beispiele von Ex-HSV-Talenten, die »dann woanders durch die Decke gegangen sind.« Gregoritsch ist drauf und dran, der Vierte zu werden.

Denn das ehemalige »Wunderkind« kommt langsam wieder in Form: Nach den ernüchternden ersten Pflichtspielen ist Gregoritsch wie das ganze Team im Aufwind. Für den FCA, der immerhin 5,5 Millionen hinblätterte, hat er in neun Spielen schon fünf Mal getroffen, in den letzten drei Partien alleine vier Mal. Dazu kommen fünf Assists. Fast immer durfte er von Anfang an ran, zumeist als hängende Spitze hinter Alfred Finnbogason. 

»Brutaler linker Schlegel« 

Sollte der Isländer gegen Leverkusen tatsächlich ausfallen, wird Gregoritsch noch wichtiger. Das hat auch taktische Gründe. Wie viele der »kleineren« Teams der Bundesliga wie Frankfurt oder Hannover liegt der Fokus von Augsburgs Trainer Manuel Baum auf einer sicheren Defensive, die flexibel auf den jeweiligen Gegner angepasst wird. Nach vorne hin gibt es außer langen Bällen auf die Außen und schnelle Konter wenig Mittel.

In so einem System ist Gregoritsch als hängende Spitze und Mittelstürmer perfekt aufgehoben. Mit 60 Prozent gewonnener Zweikämpfe ist er durchsetzungsstark, zusätzlich dank seiner 1,93 Meter ein idealer Wand- beziehungsweise Zielspieler. Und er hat scheinbar sein Knipser-Gen wiedergefunden, den »brutalen linken Schlegel« hat er nämlich laut eigener Aussage von seinem Vater und Ex-Trainer Werner geerbt.

Seitdem er den wieder einsetzt, ist auch auf seiner Facebook-Seite die Stimmung wieder besser. Nach den zwei Toren in Bremen schrieb er in Anspielung auf seine neue Frisur: »Das Haarband scheint mir wohl Glück zu bringen, also muss der Friseur noch etwas warten.« Obwohl er auch gegen Werder wieder ausgewechselt wurde. Diesmal aber eher, weil Manuel Baum ihm den verdienten Applaus gönnen wollte.