Warum Mats Hummels für die DFB-Elf so wichtig ist

Aufstieg in die Chefetage

Mats Hummels unterstreicht im Viertelfinale gegen Frankreich seine Führungsrolle im deutschen Team. Mit ihm als Abwehrorganisator hat Jogi Löws Defensive endlich die Stabilität, die eine Elf braucht, wenn sie einen großen Titel zu gewinnen will.

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Karim Benzema konnte einem Leid tun. Als sein Gesicht kurz vor dem Schlusspfiff auf der Videoleinwand des Maracanas erschien, blickte der Stadionzuschauer trotz der sengenden Mittagssonne in ein bleiches Gesicht und leere Auge. Das Antlitz eines Menschen, dem bewusst war, dass sein Streben umsonst gewesen war. Der Frechdachs aus dem französischen Angriff war all seiner Schlitzohrigkeit beraubt. Drei Mal hatte Mats Hummels sich in einen Torschuss des Stürmers von Real Madrid geworfen, drei Mal konnte der deutsche Verteidiger das Duell für sich entscheiden. Nun rang Benzema in der Hitze von Maracana nur noch nach Luft, während Hummels wenige Meter entfernt seine Kollegen ein letztes Mal zur Ordnung rief.

Ein Tor wie von Uwe Seeler

Kurz darauf hatte es die deutsche Mannschaft geschafft. Nicht zuletzt wegen eines Kraftaktes des Dortmunder Verteidigers stand sie wieder in einem WM-Halbfinale. Hummels sackte den Ruhm gleich mehrfach ein: Für seine selbstlose Art, mit der er die deutsche Abwehr organisiert hatte. Für seine Laufbereitschaft, mit der er stetig Druck nach vorne gemacht hatte – und natürlich für seine seelereskes 1:0-Siegtor, bei dem ihm der Ball beinahe über die Fontanelle gerutscht war.

Als Mats Hummels nach der Partie auf der Medientribüne den unförmigen Preis für den »Man of the Match« entgegennahm, strahlte er die bescheidene Zuversicht eines Spielers aus, der wusste, dass ihm Großes gelungen war. Er freue sich umso mehr über sein Tor, weil seine Kopfballquote in der Vergangenheit oft nicht so dolle gewesen sei. Ein cleverer rhetorischer Kniff des Journalistensohns, im Augenblick des Triumphs seine Schwächen zu erwähnen. In der Vergangenheit hieß es öfter, Hummels habe eine selbstgerechte Ader, die mitunter sogar in Arroganz umschlage. Auch Jogi Löw soll mit dem Selbstbewusstsein seiner hochbegabten Verteidigungskraft, der im Gegensatz zu vielen Kollegen auch in banalen Fieldreporter-Gesprächen mit dem rhetorischen Florett hantiert, so seine Probleme gehabt haben.

Als dem Beau mit dem Musketierbärtchen im EM-Halbfinale 2012 dann ein fataler Fehler unterlief, drehten sich plötzlich die Katapulte der Journalisten in seine Richtung.

Doch Hummels zog schnell Schlüsse aus dem ambivalenten Medienbild. Er arbeitete hart an seinen Schwächen, vermied eine übertriebene Präsenz in der Öffentlichkeit und passte sich zunehmend den Erfordernissen des Geschäfts an. Als die WM nahte, war er wieder eine unumstrittene Stammkraft im DFB-Verbund.

Hummels gab seine Antwort auf die Hysterie

Etwas verwundert jedoch nahm die Presse zur Kenntnis, dass Hummels Langzeitfreundin, Cathy Fischer, sich just in dieser Phase unfreiwillig als Ulknudel positionierte, indem sie als grelle Society-Reporterin alle Klischees der Spielerfrau übererfüllte. Viele fragten sich, warum ausgerechnet die Partnerin des telegenen und mediengeschulten Fußballstars in diesem Fettnäpfchen plantschte. Hummels aber gab seine Antwort auf die Hysterie, die um das Starlet an seiner Seite tobte, auf dem Rasen. Mit einem Tor und einer Weltklasseleistung gegen Portugal unterstrich er seine Wichtigkeit für die Nationalmannschaft.

Auch in den weiteren Vorrundenspielen entpuppte er sich als einzig unverrückbarer Eckpfeiler in der rochierenden Abwehr. Wie sehr seine Kollegen ohne ihn ins Schwimmen kommen, erlebte der Zuschauer im Achtelfinale gegen Algerien. Hummels fehlte wegen eines grippalen Infekts und das deutsche Aufbauspiel wirkte ebenfalls als laboriere es an einer heftigen Erkältung.