Warum man heute nur für Real sein kann

Leider pro Madrid


Real Madrid könnte das CL-Triple holen, hat Cristiano Ronaldo und ist überhaupt ziemlich furchtbar. Warum wir ihnen heute trotzdem die Daumen drücken (müssen).

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Wenn man nicht gerade aus der Stadt oder zumindest Spanien stammt, gibt es aktuell keinen Grund, Fan von Real Madrid zu sein. Viel zu glatt, viel zu blütenweiß ist dieser Klub. Angeführt von einem Präsidenten wie Florentino Pérez, einem Funktionär, Bauunternehmer und ehemaligen Politiker.



Einem Präsidenten, der die »Galaktischen« zu verantworten hatte. Einem Präsidenten, der jedes Jahr einen neuen Superstar präsentieren will. Nur um einen neuen Superstar zu präsentieren. Glückwunsch zum Markenkern auch.



Es ist schwer mit der Liebe

Ja, der Verein ist erfolgreich wie kein zweiter — spanischer Rekordmeister, Rekordsieger der Champions League. Toll, toll, gähn. 

Ja, der Verein hat eine grandiose Geschichte, und unglaubliche Geschichten zu erzählen. Aber allein die aktuelle Mannschaft! Fantastische Fußballer, die fantastische Summen kosteten und verdienen. Aber auch: Aalglatte Subunternehmer eines Sportkonzerns.



Ja, es ist dämlich, Cristiano Ronaldo zu hassen. So schwer es fällt, ihn zu lieben. Zu glatt, zu perfekt, dieser CR7. Ein freundlicher Kerl soll das sein, ein Trainingsweltmeister ohnehin. Er kümmert sich ganz furchtbar schlau um die Karriere nach der Karriere, um seine Außendarstellung und alles andere, was einen so gar nicht interessiert, wenn man sich für Fußball interessiert.

 Von den Vorwürfen ob seiner finanziellen Gebaren ganz abgesehen.

Längst keine Königsklasse mehr

Toni Kroos, Luka Modric und Co. — was für Kicker! Und, bei allem Respekt — was für Langweiler! 

Also gut, sie haben Zinédine Zidane. Diesen von den Göttern geküssten Genius. Der auch in jedem Moment an der Seitenlinie noch aussieht wie sein eigenes Denkmal. Hach, Zizou.

Vor allem aber ist Real Madrid kein Konstrukt. Kein artifizielles Projekt von Gnaden der Qatar Sports Investments. Sondern noch immer ein Fußballverein. 

Und natürlich schauen wir Deppen heute ja doch wieder hin, wenn PSG gegen Real in der Champions League antritt. Die ja längst keine Königsklasse mehr ist, sondern eine verkappte Superliga, in der die immer gleichen vier bis sechs Vereine den Titel unter sich ausmachen.

Das kleinere Übel



Und natürlich schnalzen wir mit der Zunge, wenn Neymar und Mbappé zeigen, was in ihnen steckt. Und natürlich ist das alles furchtbar.

Aber ein Gutes hat das heutige Spiel dann doch. Wenn es auch keinen Grund gibt, Fan von Real Madrid zu sein — heute Abend halten wir ihnen die Daumen.

 Weil die glatten, kühlen Königlichen noch immer das kleinere Übel sind gegenüber dem, was so unaussprechlich furchtbar ist, und einfach nur Paris Saint-Germain heißt. 



Also »Hala Madrid« und »Vamos Ronaldo«! Um unsere Seelen kümmern wir uns dann hinterher.